Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Aus ostjüdischer Geschichte [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 337 (sequence 1)
- Language
- German
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Aus ostjüdischer Geschichte III1. Von Louis Lewin in Breslau. Rahm, Israel, Vom Rechtskampf der Juden in Schlesien, Breslau 1927 (Bericht des jüd.-theol. Seminars Fraenckelscher Stiftung für das Jahr 1926), bringt neue Beiträge auch für die Zeit des Schweden- Schreckens in Großpolen, dessen Judenschaft 1655 und in den folgenden Jahren die grauenhaftesten Heimsuchungen durchlebte. Ihre Flucht nach Schlesien führte dort zu zahlreichen neuen Siedelungen und neuen Steuerzahlungen an die Landesherren, während die alte Landessteuer in Höhe von 700 Talern über Krakau an den kgl. polnischen Schatz abgeführt werden mußte2. Für das ausgehende 17. Jahrhundert wird der Verlust des größten Teils der Handels- Verbindungen Breslaus mit Polen festgestellt. An seine Stelle trat Leipzig (S. 69). Merkwürdigerweise kommt dies jedoch in den Besuchs- Ziffern der ostjüdischen Leipziger Meßgäste jener Zeit nicht zum Ausdruck3. Die Beschwerden der Judenschaften in Groß- und Kleinpolen über die schädlichen Wirkungen der Judenordnung des Breslauer Rats vom 25. Februar 1702 auf den Osthandel wurden von letzterem Ignoriert (S. 75 Anm. 3). Auf die kleinpolnische Judenschaft fällt ein eigenartiger Strahl der Erkenntnis (S. 82 ff.). Sie beteiligte sich 1707/8 an ,,einer mysteriösen Denkschrift, die an den Gesandten des schwedischen Hofes Baron v. Strahlenheim gerichtet wurde . . . beanspruchte Freiheit innerhalb des wirtschaftlichen und politischen Lebens der Staatsgemeinschaft . . . das freie Wohnrecht, die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Betätigung ohne hemmende Fesseln . . . das kühne Verlangen nach einer eigenen Jurisdiktion und der Zulassung zu den Ehrenämtern der Bürgermeister, Ratmannen und Geschworenen . . . Alle Forderungen klingen aus in der Sehnsucht nach Gewissensfreiheit“. Zu den Unbegreiflichkeiten dieses Dokuments gehört es auch, was eigentlich diese sich ,,etwaß Pohlen“ und ,,Kinder Israel durch . . . Klein-Pohlen“ nennenden bei den Wünschen der ,,in nahmen aller in Kays. Erblanden besonders Ober- und Niederschlesien befindenden Jüdischen Geschlechtern“ (S. XVI ff.) petitionierenden zu schaffen hatten. Eine Spezialstudie auch über die Folgen oben genannter Heimsuchungen bildet die Dissertation von Bloch, Die Juden in Militsch, ein Kapitel aus der Geschichte der Niederlassung von Juden in Schlesien, Breslau 1926. Zu den Ortschaften, in denen großpolnische jüdische Flüchtlinge sich ansiedelten, gehörten außerdem noch (1657) Radaxdorf (Kr. Namslau), Schmagrau (Kr. Neumarkt), Städtel (Kr. Namslau), Nimkau (Kr. Neumarkt), Kleinöls (Kr. Namslau) sowie Namslau und Neumarkt selber. Im Dorfe Lippen bei Carolath hausten 1 Vgl. Monatsschr. f. Gesell, u. Wissensch. des Judent. 1926 S. 75 ff., 1928 S. 6 ff. 2 Lewin, Die Landessynode d. großpoln. Judenscti., Frankf. a. M. 1926, S. 58. 3 Monatsschr. 1901, S. 468 ff. Monatsschrift. 72. Jahrgang. 22