Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Jüdisches, besonders jüdische Eigennamen im Koran im Lichte zweier neuer Arbeiten von Josef Horovitz [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 330 (sequence 3)
- Language
- German
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330 Allgemeinen, dem Anonymen zuneigt1. Diese Eigenart der Verkündigung Muh.s erinnert an die apokalyptischen Bücher. Doch während die Apokalypse absichtlich verschleiert, verdunkelt, erklärt sich die Scheu Muh.s vor dem Bestimmten daraus, daß er selbst weder mit den Begebenheiten noch mit den Namen im Klaren war. So spricht er vom Propheten zur Zeit Tälüts (Sauls), ohne Samuel zu erwähnen, weil ersieh keine Blöße geben will.’ Den Propheten Jona nennt er erst gahib al-hüt, den Mann des Fisches, erst später Jünus. In früheren Abschnitten spricht er von den Büchern der cAd, Thamüd, Madjan, später erst nennt er Hüd, £älih, Schu‘aib. In diesen drei Namen sieht Hör. Erfindungen der Phantasie Muhammeds. Die Gleichsetzung Hüds mit Eber lehnt er ab. Schärfer noch die Gleichsetzung Schucaibs mit Jethro. Am eingehendsten aber widerlegt Hör. die Gleich- Setzungen, welche sich Luqmän gefallen lassen mußte: mit Bile‘am, mit Belac ib. Be‘5r, mit ״AtaqxatW (eher wäre dann schon an Lukianos zu denken). Luqmän wird eine monographisch tiefe Untersuchung gewidmet, die sich auch auf das Inhaltliche, auf die Berührung mit Achiqär erstreckt. Inhaltlich;ähnlich reich gestaltet sich der Abschnitt über Müsa: was der Koran über Moses berichtet, läuft sonst teilweise überDzul-qarnain (Alexander dem Großen) und wird teilweise von R. Josua b. Levi erzählt, als Kern der weitverbreiteten 'Theodicae vom Engel mit dem Einsiedler, die von Gas ton Paris und Israel Le\i eingehend und anziehend behandelt worden. Von den biblischen Gestalten wird noch Da’üd stofflich besprochen, da er in Arabien bereits vor Muh. als Verfertiger von Panzern berühmt war. ,,Ursprünglich war damit vielleicht ein jüdischer Waffenschmied dieses Namens gemeint gewesen, den man aber ins hohe Altertum versetzte“ (K. U. 109). Die weitaus jneisten Namen, welche Muh. nennt, gehören unserer Bibel an: Adam, Nüb, Azar (Abrahams Vater), Lüt, Ismä’il, Ishäq, Isrä’ll, Ja‘qüb, Jüsuf, ‘Imrän (Amram), Müsa, Härün, Qärün (Qorach),* Fir‘aun (Pharao), Tälüt (Saul), Dschälüt (Goliat), Dä’üd, Sulaimän, Iljäs (Elijahu), al־Jasa‘ -(Elischa), Jünus (Jona), Aijüb (Hiob), Häman, ‘Uzair (Ezra?), Dschibr!! (Gabriel), Mikäl (Michael); S1n!n (Sinai), Bäbil, Madjan (Midjan), Saba’, Jädschüdsch-Mädschüdsch(Gög־Magog); Bat, aphäb as־sabt (Leute des Sabbats). Vom Evangelium kommen her: Zakarija, Jaftjä, ‘Isä• Marjam als Schwester Härüns und Mutter ‘Isäs gehört beiden Gruppen an. Die Namen Fir‘aun, Iljäs, Jünus hat Muh. in der Form übernommen, wie sie die kirchliche Literatur gestaltet. Bei den meisten mag man schwanken, ob er sie von Juden oder von Christen gelernt. Einzelnes. Äzar heißt Abrahams Vater; der Name wird (seit Fraenkel) von Eliezer (so heißt Abrahams alter Knecht) abgeleitet; al, als vermeintlicher arabischer Artikel, ist abgeschliffen. — Von Ismä’il meint Lidzbarski, er sei schon vor Muh. als Stammvater der Araber angesehen worden. Im Ausdruck ,,Gott deiner Väter Ibrahim, Ismail und Ishäq“ (II Sure 127)% sieht Hör. polemische Stellungnahme gegen das Achtzehngebet, wo es heißtאלהי אברהם״ יצחק ויעקוב; (K. U. 39). — Hämän tritt im Koran stets neben Pharao, als dessen Ratgeber, auf. — Von ‘Uzair meint der Koran (IX 30), er werde von den Juden, als Gottes Sohn verehrt. Jüngst (Journal Asiatique 1924 CCV 356—360) hat Casanova versucht, ‘Uzair als Azael zu deuten, den gefallenen Engel, der besonders aus dem Midrasch Abkir bekannt ist. I-Ior. lehnt diese Deutung ab und hält fest an der herkömmlichen Erklärung, ‘Uzair sei Dimihutiv von Ezra; die koranische Aussage von Ezras Anbetung erklärt er aus dem 4. Buche Ezra, wo Ezra, von den Menschen entrückt, alle irdischen Schwächen abwirft. Hör. bespricht auch die Namen einiger im Koran erwähnten biblischen Gestalten, welche der Koran noch nicht mit Namen nennt, wohl aber die spätere Legende: Eva heißt Havva, Kain und Abel heißen Qäbil-Häbil (siehe meinen Artikel ,,Abel in der islamischen Legende“, Encyclopaedia Juda’ica I, 211—214). Osnat, Josephs Weib, heißt Asija; die Königin von Saba wird Bilqis (bei Josephus Nikaulis) genannt; Nühs Söhne nennt der Koran nicht, erst später tauchen ihre Namen auf: Säm, Häm, Jäfith, — doch Jäfith heißt auch schon vor Muhammed ein arabischer Stamm. Den Namen Zulaicha nimmt Josephs Frau in der späteren islamischen Legende und Dichtung an; 1 S. Goldziher, Die Richtungen der islamischen Koranauslegung. Leiden 1926, Index s. v. muhhamät (Anonymi des Korans).