Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Einige wichtige Momente der Kultusgeschichte Altisraels
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 319 (sequence 3)
- Language
- German
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319 a. a. O. frei weiß. Auch ,,die Tatsachen“, die er S. 360 in bezug auf die Verwendungsweise der ,,Steinhaufenaltäre“ und der ״Hörneraltäre“ entfaltet, waren mir und jedenfalls unzähligen anderen keineswegs fraglich. Das wußten wir ja aus dem Verfahren Abrahams, der andern Erzväter und vieler späteren Bekenner der zu Recht bestehenden Religion Israels, daß sie an vielen Orten ihrer Siedelung immer neue Altäre bauten (Gen 127, 8, 1318 usw., Ex 1716 usw.). Sie taten es auch,nachdem sie der Stiftshütte als dem Zentralheiligtum in Silo einen festen Platz gegeben hatten (Jos 18!), wie es z. B. von Gideon, dem Baalsbekämpfer, berichtet wird (Rieht 624) oder von dem Propheten ׳Samuel erzählt ist, daß er dem Ewigen zu Rama einen Altar baute (I Sam 717). Ebenso wußte ich aber auch, daß es neben den vielen ,,Steinhaufenaltären“ auch einen ,,Hörneraltar“ dort gab, wo Jhw ״seinen Namen wohnen ließ“, d. h. in der Stiftshütte zu Silo und nach dessen Zerstörung zu Nob und endlich auf dem Zion. Ja, ich bin der einzige von den ״Wellhausenianern“ gewesen, der stets in allen seinen auf dieses Gebiet bezüglichen Veröffentlichungen die Existenz des seit Mose bestehenden Haupt- oder Zentralheiligtums neben der Vielheit der andern Altäre anerkannt hat. Dies habe ich — um hier nur ganz kurz davon zu sprechen — erstens deshalb getan, weil ich überhaupt die Grundlagen der altisraelitischen Geschichtsbücher als zuverlässig erwiesen habe (hauptsächlich in den kritischen Vorerörterungen meines Genesiskommentars 1925). Zweitens habe ich Wellhausen diese Fragen vorgelegt: Weshalb denn ist Elkana von seinem Wohnorte Ramathajim Zophim alljährlich hinüber nach Silo gewandert (I Sam 12)? Drittens wie kam es, daß von der Priesterschaft in Silo und Nob die jerusalemische herstammte (I Sam 2223)? Viertens kommt dazu noch die Tatsache, daß in Jer 712 nur Silo als die Stätte erwähnt wird, wo ״Jahwes Name gewohnt hat“" und die als Parallele zu Zion gelten konnte (usw. in ״Geschichte der alttest. Religion“, 1924, 268 f.). Gegenüber der sonstigen Wellhausenschen Annahme, daß die Stiftshütte nur ein in das Altertum zurückgetragener Reflex des Salomonischen Tempels sei (z. B. Iiolzinger im Kurzen Handkomm, hinter Ex 2630), habe ich gezeigt, welche unbegreiflichen Hindernisse diese Annahme besitzt1. Mich also trifft auch das nicht, was W. auf S. 361 gegen Wellhausen und den Ausgangspunkt ausführt, den dieser im ersten Kapitel seiner ״Prolegomena zur Geschichte Israels“ genommen hat. Die Falschheit dieses Ausgangspunktes habe ich selbständig erkannt und ihn z. B. in meiner längst vergriffenen ״Einleitung in das A. T.“ (1893), S. 174 verworfen. Aber welche Bedeutung kommt der Verschiedenheit, die in bezug auf Material und Form der Altäre in den Geschichtsquellen erwähnt wird, für die Beantwortung der Hauptfrage zu, die betreffs der Geschichte der legitimen Kultusstätten Israels besteht? Diese Frage betrifft nach allseitiger Anerkennung die erlaubte Zahl dieser Kultusstätten. Dieser Hauptfrage wendet sich W. in seinem § 3 unter dem dunklen Titel ״Die Gesetzgebung von Exodus und Deuteronomium“ zu. Suche nun auch ich eine Antwort auf diese Hauptfrage! § 3. Stimmen die Aussagen des Exodus über die Zahl der erlaubten Opferstätten mit den darauf bezüglichen Aussagen des Deuteronomiums zusammen? Da ich, wie vorher bemerkt ist, die Existenz des Hauptheiligtums für die Zeit Moses usw. annehme, kann ich in der Beantwortung dieser dritten Frage auf eine weite Strecke hin mit W. Zusammengehen. Denn für mich ist wie für ihn durch Ex 2024-26, wovon ich eine eingehende Auslegung in ZATW 1924, 337—340 dargeboten habe, und z. B. durch die Teilnahme Samuels an dem Opferfest zu Rama (I Sam 91?) die Erlaubtheit vieler lokaler Altäre neben dem Hörneraltar des Zentralheiligtums quellenmäßig festgestellt. Aber ob ich mit ihm den ganzen Weg der Vergleichung der auf den Kultusort bezüglichen Aeußerungen des . Exodus und des Deuteronomiums friedlich zurücklegen kann? Prüfen wir, was W. über die betreffenden Sätze des Deuteronomiums bemerkt! 1 Denn wenn eine Reduktion der Maße des Tempels vorgenommen worden wäre, hätte man auch die Zahl der Leuchter von zehn nicht auf bloß einen, sondern eher auf drei verringert usw. in ״Friedrich Delitzschs ,Die große Täuschung‘ kritisch beleuchtet von Ed. König“, 4. Aufl. (1921), S. 28—31.