Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Pentateuch-Frage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 315 (sequence 24)
- Language
- German
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315 willkürliche, planlose Neuordnung, die zu diesem Zweck erforderlich gewesen wäre? Wenn das, was heute vorliegt, ein Werk darstellt, das vom Zufall beschädigt worden und sorgfältig und ehrfurchtsvoll aufbewahrt worden ist im Lichte der wertvollsten Gedanken des Zeitalters, so können wir verstehen, auf welche Weise der Stoff seine heutige Form bekam. Aber auf Grund der Quellen-Hypothese bleibt das Vorgehen der Redakteure ebenso unverständlich wie ihre Ergebnisse. § 8. Es gibt eine Stelle (Num 2113), die eine Erzählung in zweifacher Form bewahrt, von denen die Quellen-Kritiker glauben, daß sie für JE beziehungsweise P besonders charakteristisch seien. Die erste findet man in dem massoretischen Text, die andere in dem samaritanischen. Wenn man die Dinge prüft, liegt der Grund für den Wechsel auf der Hand. Von den Samaritanern wurde nach Num 2112 etwas eingefügt, was sich auf Dt 21719־ gründete. Das macht die JE-Fassung משם נסעו Von da brachen sie auf unbrauchbar, und so wurde sie geändert in ויפצל מנחל זרד JJnd sie brachen auf von ־Waäy-Zereä, in die P-Form, die aus Num 33 so bekannt ist. Hier haben wir also wenigstens ein Beispiel, das erkennen läßt, wie es zur Entstehung der P-Fassung kam. Sie ist das Ergebnis der Bemühungen eines Redaktors. Es gibt Gründe für die Annahme, daß derselbe Vorgang sich in anderen Fällen wiederholt hat1. Wenn man Num 33 betrachtet, erkennt man sofort seinen redaktionellen Charakter; aber es gibt noch mehr Beweise für die Annahme, daß da etwas nicht stimmt: 1. Wie wir im letzten Abschnitt festgestellt haben, entspricht die heutige Anordnung von Num 33 nicht der ursprünglichen Reihenfolge der Ereignisse. 2. Die Zahl der Ortschaften (40) ist gekünstelt. Ezion-geber und Kadesch sollen hintereinander liegen, aber in Wirklichkeit sind sie 70 Meilen voneinander entfernt. Der Besuch bei Kadesch nach dem bei Ezion-geber steht nicht in Einklang mit dem Deuteronomium, Richter ll16ff. und Num 32. 3. Die Erzählung Dt 106 f. läßt sich überhaupt nicht vereinbaren mit Num 333138־. Wir haben vorher (§ 4) gesehen, daß Dt 106 f. ein falsch eingereihtes Fragment ist, das mit dem umgebenden Text in keinerlei Zusammenhang steht. Wenn es einen Teil der ursprünglichen Reiseberichte von Num bildete, der beschädigt wurde, so stünden die Herausgeber dieses Textes sehr schwierigen Problemen gegenüber in dem Augenblick, wo sie daran gingen, das Erhaltene in die bestmögliche Form zu bringen. Man würde die Lücke empfinden. Wie sollte es gutgemacht werden? Sicherlich dadurch, daß man sich möglichst genaue Erkundigungen aus der vorangehenden, bis ins Einzelne ausgeführten Erzählung holte. Und wenn man dort ebenso viel Schaden fand, ist es wahrscheinlich, daß es auch noch mehr Beschädigungen gab. 1 Ueber das Vorkommen der Formeln Ex 1320192 י1ל1 י; Num 2110, 11a, 22! vergl. Bibliotheca Sacra, 1919, S. 195 ff.