Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Pentateuch-Frage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 313 (sequence 22)
- Language
- German
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313 achtung des Befehls, es zu umgehen, der Aufenthalt am Berge Hör und die Episode bei Arad. Erst nach all dem geht das Volk daran, den dringenden Befehl, sich morgen zu wenden, auszuführen. Die Quellen-Theorie tut wenig, um diese Schwierigkeit zu beheben, denn fast alle wichtigen Teile sind dem vermeintlichen JE zugewiesen. Aber es ist undenkbar, daß ein hebräischer Historiker von einem andauernden Ungehorsam erzählt haben könnte, wie er hier einem ausdrücklichen göttlichen Befehl gegenüber vorliegt, ohne einen Ausdruck der Mißbilligung. ״Die Erzählung von der Umgehung des Landes Edom bleibt plötzlich stecken. Es kann nicht sein, daß Mose 38 Jahre wartete, nachdem er den göttlichen Befehl, morgen umzukehren, empfangen hatte, ohne irgendeine Handlung vorzunehmen. Es ist auch nicht möglich, daß er dann zum König von Edom geschickt haben sollte mit der Bitte, einen Weg einschlagen zu dürfen, der mit dem von Gott befohlenen nicht übereinstimmte. In Wirklichkeit ist es so, daß der göttliche Befehl, u m Edom herum zu ziehen, zeitlich der Bitte, durch es hindurch zu ziehen, folgte, und daß beides, der Befehl und der Bericht von seiner Erfüllung 214f., ganz eng zusammengehören. Auch die andere Unmöglichkeit ist nicht weniger deutlich. Es ist leicht verständlich, daß die Kinder Israel in Kadesch bei ihrer Ankunft genügend Wasser gefunden haben können, daß es aber bei vorrückender Jahreszeit ausging. Aber es ist im höchsten Grade unwahrscheinlich, daß das Wasser, nachdem es 38 Jahre gereicht hatte, plötzlich versiegte, oder daß die Kinder Israel in dieser Zeitspanne ohne Wasser lebten und dann zu murren begannen1/' 6. Die heutige Chronologie dieser Periode ist unmöglich, wie von Colenso ausgeführt ,worden ist2. 7. ,,Die obigen Beweisgründe handeln ausschließlich vom Inhalt der Erzählung. Auch die Form bietet einen Anhaltspunkt, der dazu führt, sie zu unterstützen. Zu Dt 146 Und Ihr bliebt in Kadesch — schreibt Driver: ״Der Satz hier bezieht sich auf die Zeit unmittelbar nach der Niederlage bei Chorma; aber Num 20! (JE) wird er von der Zeit gebraucht gerade vor der Botschaft, die die Kinder Israel an die Edomiter sandten, also 8 Jahre später/' Das ist sehr gekünstelt. Man wird sehen, daß sich der fragliche Satz durch die Aenderung auf den ganzen mehrmonatlichen Aufenthalt in Kadesch bezieht, und zwar in Num und Dt ebenso wie Richter 1117, und daß man ihn nicht länger in einen anderen Zeitabschnitt versetzen kann. Ebenso verschwindet ein ähnlicher Widerspruch zwischen zogen um das Gebirge Seir Dt 2! und demselben Ausdruck Num 214"3. Aus diesen Gründen wird man sicherlich zugeben, daß 2022a und 214b im Originaltext von Num einen einzigen Vers bildeten. Und sie brachen auf von Kadesch, auf dem Wege zum Schilfmeer, um das Land Edom zu umgehen. Dies sind die beiden wesentlichsten Aenderungen. Aber einige der vorangehenden Betrachtungen, z. B. 5. u. 6., haben einen weiteren 1 Essays in Pentateuchal Criticism, S. 120. 2 The Pentateuch. Teil 1. 2. Aufl., S. 144—146. 3 Essays in Pentateuchal Criticism, S. 12ל f.