Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 3 · p. Seite 307

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 3
Article
Zur Pentateuch-Frage
Date
1928-01-01
Page
Seite 307 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829951-2829955-2834610--48334-2834720
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

307 Wie schon weiter oben bemerkt worden ist, findet man häufig Lesarten, die vermuten lassen, daß Stellen, die ursprünglich auf eine Ueberlieferungsmethode hinwiesen, bei der der Pentateuch als aus kurzen Schriftstücken bestehend angesehen wurde, ihre Form verändert haben. Um der Gefahr zu entgehen, die Hauptpunkte dieses Arguments in einer Fülle mehr oder weniger strittiger Einzelheiten zu ersticken, werden sie hier mit einer einzigen Ausnähme übergangen: — Josua 2426: hier lesen die meisten Autoritäten der Septuaginta, einschließlich BAVH und dem Sahidischen, sk ßißkiov,, vo/iov tou deoü. Danach würde es scheinen, als ob im Original einfach ,,ein Buch“ gestanden hätte, wozu dann die Worte ,,Gesetz Gottes“ hinzugefügt wurden. Num 2I33-35 finden wir einen Versuch, eine fühlbare Lücke auszufüllen. Eine genaue Untersuchung der Stelle hat viele Kritiker zu dem Schluß gebracht, daß hier kein Original vorliegt, sondern das Werk eines Redaktors, der einfach Dt 3! f. noch einmal hinschrieb. Das wird durch die Tatsache bestätigt, daß die Stelle im Alten lateinischen Text fehlt. Sie scheint daher in den massoretischen Text Eingang gefunden zu haben, nachdem der ägyptische sich vom palästinensischen abgezweigt datte. Das ist von verschiedenen Gesichtspunkten aus von Bedeutung. Hier haben wir eins der vielen Beispiele, die beweisen, daß der wahre Sachverhalt über die Verwandtschaft des Hebräischen, Samaritanischen und der Versionen ein ganz anderer ist, als man im allgemeinen angenommen hatte. Bewiesen ist hier außerdem, daß die Neigung, wirkliche oder vermeintliche Lücken aus parallelen Stellen aufzufüllen, eine Neigung, die für den samaritanischen Text so charakteristisch ist, den hebräischen bis zu einem gewissen Grade beeinflußt hat. Und schließlich haben wir hier einen erneuten Beweis dafür, daß unser Pentateuch auf einen beschädigten Text zurückgeht § 6. Wir kommen nun zur Betrachtung von Schwierigkeiten, welche unsre Ansicht der Ueberlieferung des Pentateuch bestätigen. Wie bereits ausgeführt worden ist, handelt es sich bei Ex 337-n um eine Stelle, die falsch angesetzt ist und mit ihrer jetzigen Umgebung in keinem Zusammenhang steht. Der Eröffnungsvers wird oft falsch übersetzt. Der hebräische Gebrauch begünstigt die Anwendung des bestimmten Artikels in vielen Fällen, wo das moderne westliche Idiom den unbestimmten wählen würde. Dementsprechend sollten wir übersetzen: ,,Mose pflegte ein Zelt zu nehmen (oder ,,das Zelt“; MT: LXX Pesh ,,sein Zelt“) und schlug es auf (לו) für sich“ usw. Das Beziehungswort für לו ist unbestreitbar Mose. Dieses Zelt hat nichts zu tun mit der Bundeslade, die noch nicht angefertigt war, und die Stelle kann nicht zu irgendeinem Zeitpunkt nach dem Bau der Bundeslade angesetzt werden. Mose würde niemals, die Bedachung des Stiftszeltes zu seinem eigenen Bedarf fortgenommen und die heilige Lade unbedeckt und unbeschützt zurückgelassen haben. Selbst wenn er es gewollt hätte, hätte er es nicht ausführen können, denn die ganze Beschaffenheit 20*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.