Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Pentateuch-Frage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 306 (sequence 15)
- Language
- German
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306 beabsichtigten Aneinanderreihung bewahrt hat. Andere Stellen des Buches wieder haben durch Zufall gelitten. Es handelt sich oft um Verderbnisse, die älter sind als der letzte allgemeine Vorfahre all unserer heutigen Autoritäten: es gibt falsche Anordnungen; z. B. sollte Jes 525 ff. mit 97 ff. verbunden sein: und es gibt Orakelsprüche, die unvollständig überliefert sind. Wenn man 717-25 unter dem Gesichtspunkt unserer Geschichtskenntnis prüft, erkennt man deutlich, daß diese Stelle an Hiskia gerichtet ist, und daß die Einleitung fehlt1. Jedoch in unserer Bibel ist sie mit einer Prophezeiung verbunden, die Ahas verkündet wurde. Aehnlich gibt es im Buch Josua und im Buch der Richter Erzählungen, die Fragmente darstellen, und andere, die an falscher Stelle stehen. Es ist unmöglich anzunehmen, daß die Reihenfolge, in der sie heute vorliegen, in allen Fällen korrekt oder das Ergebnis eines absichtlichen Planes ist. Von den Psalmen spricht man in diesem Zusammenhänge am besten überhaupt nicht, da sie ihrem Wesen und ihrem Zweck nach noch viel mehr solchen von uns angenommenen Vorgängen ausgesetzt sind als historische Werke. So viel sei gesagt mit Bezug auf den massoretischen Text. Wenn wir uns den Versionen zuwenden, werden wir Tatsachen finden, die die hier entwickelte Ansicht unterstützen. In Gen 24 a liest die LXX cüjtt) 7] ßtßXoq ysvioeax; זה ספר תולדת für אלה תולדות. Das würde genau der Stelle 51a entsprechen, und die Einzahl תולדת, die ,,Geburt“, ״Schöpfung“, Ursprung“ bedeutet, ist leichter zu verstehen als die Mehrzahl תולדות ,,Generationen“, die auf Himmel und Erde bezogen, bedeutungslos wird. Wir können jedoch keine Gewißheit darüber erlangen, was für ein hebräisches Wort zugrunde liegt. In diesem Falle handelt es sich sicher um ein Kolophon, das das Vorangehende abschließt. Am interessantesten ist jedoch dabei, daß dadurch ein erneuter Beweis geliefert wird für die Ansicht, daß der Pentateuch in kurzen Schriftstücken überliefert wurde2. Im Text von Arabs 1, 2 erscheint die Phrase, die Bezug auf ein Buch wie Gen 10! ,,Hic est liber generationum“ nimmt (das einleitende ״Und“ wird auch bei K 171, der Vulgata, den Septuaginta- Zeugnissen bw, op, f und dem Bohairischen weggelassen). Ob sie als Einleitung oder Kolophon betrachtet wird, sie weist jedenfalls auf getrennte Schriftstücke hin. 1 Vergl. H. M. Wiener, The Prophets of Israel in History and Criticism, 1923, S. 282: Journal of the Society of Oriental Research, 1927, S. 203 f. 2 Es ist für unsern gegenwärtigen Zweck unwesentlich, ob die Phrase mit Löhr (der Priesterkodex in der Genesis, 1924, S. 6) und anderen Kritikern als eine spätere Glosse betrachtet wird oder nicht: denn als sie geschrieben wurde, wTar das Vorangehende ein getrenntes Schriftstück. Man kann nicht annehmen, daß der Pentateuch, ursprünglich als lange, fortlaufende Rolle geschaffen, später in kurze Schriftstücke aufgelöst, und dann von neuem zu einer langen Rolle umgestaltet, wurde. Wenn wir deshalb diese Phrase als Glosse ansehen, müssen wir der Ansicht sein, daß das kleine Buch, dem sie angefügt ist, in seiner selbständigen Form eine frühere Geschichte gehabt hatte, bevor es jemand glossierte. Im übrigen scheint es mir durchaus wahrscheinlich, daß Kolophons oft später zu pentateuchischen Schriftstücken hinzugefügt wurden, um ihre Identifizierung und das Nachschlagen leichter zu gestalten. ,