Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Pentateuch-Frage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 305 (sequence 14)
- Language
- German
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305 enthielt. Es ist zwecklos, in vielen Fällen die' Einheitlichkeit der Erzählung festzustellen, denn diese Einheitlichkeit lag nicht in dem ursprünglichen Plan der Thora. 2. Wenn solch eine Sammlung einmal in Unordnung geraten war, konnten selbst Teile, die zu demselben Buch gehören sollten, an eine falsche Stelle kommen und dadurch unnötige Schwierigkeiten hervorrufen. Daher gibt es Fälle, bei denen eine Schwierigkeit vorliegt, die durch einfache Umstellung behoben werden kann. So ist es z. B. leicht, die Erzählung von Rebekka richtig einzureihen, zu erkennen, daß Gen 38 bei Gen 35 stehen müßte, und die Reihenfolge der Erzählungen in Num, von denen in § 3 die Rede war, umzuordnen. Einige kompliziertere Beispiele werden in späteren Abschnitten behandelt werden. Zweifacher Art können die Gründe sein, die zu falscher Anordnung geführt haben. Sie können rein zufällig sein. Andererseits wäre es möglich, daß ein Editor oder Abschreiber eine Ordnung, die er für falsch hielt, zu verbessern versuchte und dabei einen falschen Weg eingeschlagen hatte. In diesem Falle könnte die Absicht zu verbessern, gerade eine gegenteilige Wirkung erzielt haben. 3. Bisweilen würde ein Redaktor, der das ganze alte Material so gut wie möglich zu erhalten wünschte, eine einfache Aufgabe zu erfüllen haben. Er brauchte nur die Fragmente abzuschreiben, wie er sie vorfand. Das ist geschehen z. B. Num 789 und Dt 106 f. An anderen Stellen aber war das Problem nicht so einfach. Eine fragmentarische Reisebeschreibung z. B. konnte man vielleicht umschreiben in der Absicht, die Bruchstücke zu vereinen, und wirkliche oder gemutmaßte Tatsachen mit einzubeziehen, die aus dem Studium anderer Teile des Pentateuch herrührten. Wenn diese ihrerseits falsch angeordnet waren, oder wenn der Abschreiber irrige Schlüsse aus ihnen zog, hätte das seine Arbeit ungünstig beeinflussen können.’ Wieder könnten Versuche angestellt worden sein, die fehlenden Teile zu ergänzen. Wo Gott einen Befehl erteilt hatte, mußten Mose und seine Begleiter gehorcht haben, und man konnte annehmen, daß ein Bericht über die Art der Ausführung dieser Befehle das Verlorengegangene genügend ersetzen würde. Wenn jedoch sein Verfasser die Befehle in irgendeiner Weise mißverstand, so wäre das Ergebnis nur dies, einen Bericht geschaffen zu haben, der weder ursprünglich, noch richtig, noch im Einklang mit dem übrigen Pentateuch war. Bevor ich diese Schlüsse auf einige der hervorstechendsten Schwierigkeiten in der Interpretation des Pentateuch an wende, möchte ich auf gewisse Tatsachen hinweisen, die zugunsten der vorher genannten Ansichten zu sprechen scheinen. Viele Prophetenschriften zeigen gewisse Tatsachen, die beweisen, daß auch sie von einem System der Ueberlieferung beeinflußt sind ähnlich dem, das für den Pentateuch hier angenommen ist. Niemand würde z. B. argumentieren, daß die vorhandenen Schriften Jesaias in einer Anordnung überliefert sind, die dem absichtlichen Plan des Propheten entspricht, oder vom Zufall unberührt geblieben ist. Man nimmt im Gegenteil an, daß die frühen Schrrftpropheten kurze Örakelsprüche herausgegeben haben, und daß unser Jesaia-Büch diese Sprüche nicht in ihrer chronologischen oder aus anderem Grunde Monatsschrift, 72. Jahrgang 20