Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Pentateuch-Frage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2829132-2829951-2829955-2834610--48331-2834717- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
304 Leviten im Hinblick auf die Krankheit des Aussatzes gegeben werden sollten (Dt^248), und wenn wir in anderen den Lehren selbst gegenüber gestellt sind (Lev 1432, 5457־), können wir uns der Folgerung nicht entziehen, daß wir es mit zwei verschiedenen Schriftstücken zu tun haben, die an verschiedene Zuhörer gerichtet sind, nicht mit zwei verschiedenen Teilen eines einzigen Schriftstückes, die sich an ein und denselben Zuhörer wenden. Es handelt sich um zwei Teile desselben Schemas, nicht desselben Buches1. So wirken eine ganze Anzahl verschiedenartiger Betrachtungen zusammen zugunsten der — wie ich zu sagen wagte — Schriftstücken- Theorie (library-theory) d. h.: der Pentateuch bestand ursprünglich nicht aus einem einzigen Buch, sondern aus einer Zahl verschiedener Schriftstücke, und es war nicht beabsichtigt, diese in einem einzigen Bande zu vereinigen. Diese Schriftstückensammlung erlitt Schaden — und aus diesen beiden Faktoren ergeben sich eine Menge unserer heutigen Schwierigkeiten. Es ist nun an der Zeit, einige der daraus resultierenden Schlußfolgerungen darzulegen. 1. Handelt es sich um Material, das nicht im selben Buche vereinigt sein sollte, so kann von einer ursprünglichen Anordnung keine Rede sein. Es ist z. B. zwecklos zu fragen, ob das Gesetz über den Aussatz vor oder nach dem Gesetz von den Brandopfern oder von den Schaufäden oder nach der Erzählung Koras stehen sollte. Zuerst unterstanden diese verschiedenen Teile der Gesetzgebung einem bestimmten Grundsatz der Anordnung ebensowenig wie die in einem modernen Gesetzbuch gesammelten Gesetze. Das nationale Interesse verlangt vielleicht besondere Aufmerksamkeit für verschiedene Dinge wie Heer, Finanz, Arbeitsfragen, Schutz wilder Vögel, Luftschiffahrt zu ungefähr derselben Zeit. Der Lauf der Dinge mag es vielleicht mit sich bringen, daß Vorschriften, die sich auf sie bezogen, am gleichen Tage zum Gesetz erhoben wurden und so im Gesetzbuch hintereinander folgten, nur durch Zahlen voneinander unterschieden. Im günstigsten Falle ist das. die einzige Art von fester Ordnung, die manche der Gesetze des Pentateuch je gehabt haben können: aber da sie niemals auch nur in einem Gesetzbuch zusammengestellt werden sollten, sondern eher einzelne Bestandteile einer Sammlung von Gesetzen (und anderen Dingen) bilden sollten, können sie sogar nicht das Recht auf äußere Aneinanderreihung für sich beanspruchen, wie es bei modernen Gesetzen der Fall ist, die vom chronologischen Gesichtspunkt geordnet sind, wie weit sie auch in Materie und Absicht getrennt sein mögen. Und wie mit den Gesetzen, so ist's auch mit den Erzählungen. Es gibt keinerlei Grund zu der Annahme, daß beabsichtigt war, z. B. einen Bericht von dem Bau des Stiftszeltes oder eine Erzählung von den zwölf Kundschaftern in dasselbe Buch zu verweisen, das auch die Schöpfungsgeschichte oder ein Lebensbild Abrahams 1 Wenn man sich mit dem Altertum beschäftigt, ist es wichtig zu bedenken, daß Buffon’s Epigramm hier nicht anzuwenden ist (״Le style est Fhomme m§me“ der Stil, das ist der Mensch selbst). Die Wahrheit liegt vielmehr in Narden’s Meinung: ״Der Stil war im Altertum nicht der Mensch selbst, sondern ein Gewand, das er nach Belieben wechseln konnte.“ Vergl. meine Pentateuchal Studies, S. 170—224.