Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Pentateuch-Frage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 302 (sequence 11)
- Language
- German
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302 mit Edom als unvereinbar mit Nirm 2014-18 angesehen werden, und man könnte annehmen, daß ein Redaktor ihn wegen dieses Berichts weggelassen hätte. Abef abgesehen davon, daß, wie wir gesehen haben, selbst unzusammenhängende Fragmente gewissenhaft bewahrt wurden — und das macht eine solche Theorie a priori unwahrscheinlich — ist es jetzt sicher, daß diese Kapitel von Num sehr beträchtlichen Schaden erlitten haben1. Und die Auslassung jedweden Berichtes von den feindseligen Handlungen der Amalekiter ist außerordentlich auffallend. Man muß bedenken, daß die Anhänger der Quellentheorie glaubten, der Schreiber des Deuteronomium hätte ein früheres Werk (E oder JE) vor sich, dem er seine Tatsachen entnahm. Demzufolge müssen sie das Vorgehen des Redaktors erklären, wenn er aus unserm jetzigen Pentateuch die Stelle wegläßt, die dem Dt bekannt war. Aber das gelingt ihnen nicht2. Diese Beispiele können nach Belieben vermehrt werden; aber sie genügen, diesen Teil des Streitpunktes zu beweisen. Der Pentateuch enthält zahlreiche Fragmente. Das Wesen und die Anordnung dieser Fragmente ist so merkwürdig, daß man sie mit keiner Hypothese eines planmäßigen Verfahrens erklären kann. Wir müssen deshalb ihre Erklärung in irgendeiner Theorie des Zufalls suchen, die mit Schriftstücken operiert, die sich in einer solchen Form befanden, daß Ergebnisse, wie sie vorliegen, ermöglicht wurden. § 5• Sehr beachtenswert ist im Pentateuch, und besonders in Leviticus, die Zahl der Kolophons3. In dem letztgenannten Buch finden wir folgende*. 737f., ll46f., 127b, 1359, 1432, 541532 ,57־f., 2337f., 26^,. 2754. In Num stehen sie in 529 f., 621, 788b, 3016, 3613; in Dt mit Sicherheit in 2869, mit Wahrscheinlichkeit auch in 4444. Einige Stellen in Genesis, die Kolophons sein können, sind in anderen Teilen dieses Aufsatzes verzeichnet. Dieses allgemeine Phänomen paßt außerordentlich gut zusammen mit der Ansicht, daß der Pentateuch einst nicht als Buch, sondern als Sammlung kurzer Schriftstücke überliefert wurde, und es würde 1 Vergl. § 7 und Essays in Pentateuchal Criticism 1910, 114—138׳. 2 Die vorangehenden Paragraphen stammen aus Bibliotheca Sacra 1918, S. 92—94. 3 Diesen Ausdruck für ,,Schlußformel“ haben wir auf Wunsch des Herrn Vf. beibehalten. D. Uebs. 4 ,,Mit Unterstützung der LXX und K 99, 136 liest Hieronymus: ,,Dies ist das Gesetz“ und läßt das ,,Und“ weg. Er übersetzt es nicht als Titel, sondern als Kolophon (Ista est lex). Andererseits beginnt er Vers 45 ״Und dies sind usw.“ Darin stimmt er überein mit der Septuaguinta fi, der Armenischen und Aethiopischen-Uebersetzung. Die letztere Lesart mag falsch, die erstere scheint richtig zu sein. Vers 44 scheint ursprünglich das Kolophon zur Thora gewesen zu sein, die Mose in Kap. 1 (vergl. 15) zu erklären begann. Er sollte augenscheinlich unmittelbar hinter 440 stehen. Dadurch, daß er fälschlich hinter 441 ff gestellt worden ist, hörte er auf, ein Kolophon zu sein. Im Laufe der Zeit war er dann Veränderungen unterworfen, die aus ihm einen Titel machten. Die drei vorhergehenden Verse (41—43) scheinen ein an falsche Stelle gesetztes Fragment der Erzählung zu sein.“ (Bibliotheca Sacra 1918, S. 97 f.). Man kann sich das so erklären, daß das Stückchen Papier, auf dem diese kurze Stelle stand, versehentlich in das ״Buch“ geraten war, dessen Kolophon Vers 44 darstellt.