Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Pentateuch-Frage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 300 (sequence 9)
- Language
- German
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300 wurde. So wie es dasteht, fängt der nächste Vers noch einmal von neuem an: ״Und der Ewige sprach zu Mose“. Hier also haben wir ein Fragment, das weder mit dem Vorangehenden, noch mit dem Folgenden in Zusammenhang steht. Wenn ein Redaktor ein Dokument gefunden hätte mit einer Erzählung, zu der dieser Vers gehörte, würde er entweder die Erzählung zusammen mit dem Verse in seine Arbeit aufgenommen haben, oder aber er würde diesen mit dem Rest der Erzählung weggelassen haben. Aber es ist undenkbar, daß irgendein Herausgeber absichtlich ein Stück herausgerissen hätte, das unmöglich allein stehen konnte, und es ohne Sinn und Verstand an einen ungeeigneten Platz gesetzt haben würde. Wir haben hier einen Fingerzeig, der uns einen ganz andern Weg einschlagen läßt, als ihn die Quellenkritiker gegangen sind. Wenn wir seine Lehre beachten, müssen wir schließen, daß er aus einer Zeit stammt, da man sich anstrengte, jedes kleinste Stückchen eines noch so sehr beschädigten Dokumentes zu bewahren. Nicht weniger zwingend ist das Zeugnis des Fragments der Reisebeschreibung, das jetzt zwischen Dt 105 u. 8 eingefügt ist1. Es hat nichts mit dem umgebenden Text zu tun, und seine Stellung kann durch keine gewöhnliche Theorie der Umstellung in einer unverletzten Handschrift erklärt werden. Hier erhebt sich der starke Verdacht, daß zu irgendeiner Zeit in der Ueberlieferung des Pentateuch Vorangehendes und Folgendes auf getrennte Schriftstücke geschrieben war, und daß Vers 6 u. 7 zufällig zwischen diese Schriftstücke gerieten und so ihre heutige Stellung erlangten. Etwas Aehnliches gilt von Dt. 441-43, das besser nach Num 35 stehen sollte2. Seine jetzige Stellung scheint es der Tatsache zu verdanken, daß es zufällig neben ein Blatt zu liegen kam, das mit Dt 440 endete. Einige andere Umstellungen im Dt, wie die von Kap. 27, mögen die gleiche Ursache haben oder dem Versuch eines Redaktors entspringen, eine Anordnung zu verbessern, die nicht über jeden Zweifel erhaben schien3. Zu Gen 6r4 bemerkt Proksch: ,,Dieser rissige erratische Block gehört zu Ja ... , nur daß Ja eben kein literarisches Werk, sondern nur eine eingebaute Gruppe von selbständigen Fragmenten ist4/‘ Ex 3018 beginnt plötzlich ועשית ,,und du sollst machen“. Das erfordert zum Verständnis einen vorhergehenden Befehl, aber wir suchen ihn in Vers 17 vergebens. Der ausgearbeitete Titel von Ex 35x läßt vermuten, daß auf 2f. einst andere Gesetze folgten. Lev 108-1:L besteht aus Fragmenten, die in ihrem jetzigen Zusammenhang gänzlich falsch am Platz zu sein scheinen. 1 Andere Fragen, die durch dies Fragment angeregt werden, kommen später, § 8, zur Diskussion. 2 In Num 3510 ff. scheint es auf den ersten Blick, als oh die Städte erst nach dem Ueberschreiten des Jordan ausgewählt werden sollten. Aber die andere Auffassung scheint möglich zu sein, und die Schwierigkeit ergibt sich wahrscheinlich aus der Tatsache, daß die Art des Ausdrucks in der Form weniger logisch ist, als die des heutigen Abendlandes, wenn sie auch in dein Zeitalter, dem sie angehört, durchaus verständlich war. 3 Vergl. vorher MGWJ 1928, S. 36. 4 Die Genesis. 2. und 3. Auflage, 1924, S. 59.