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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 3 · p. Seite 297

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 3
Article
Zur Pentateuch-Frage
Date
1928-01-01
Page
Seite 297 (sequence 6)
Language
German
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297 voraussetzen, sich von der unterscheidet, die man im späteren Gebrauch kannte. Dem Chronisten erschien ein Buch unbedingt als eine lange Rolle. Die letzte Stufe in der Geschichte des Buches war erreicht worden. Zwischen ihr und dem früheren Gebrauch liegt eine Uebergangszeit. 1״Das hebräische Wort מגלה, das ״Rolle“ bedeutet, findet man in Jer 36 (14mal); Ezk 29, Sv 2, 3; Zech 5!, 2; Ps 408. Nun ist es sehr bemerkenswert, daß man bei drei von vier Stellen die erste Erwähnung in Verbindung mit dem Worte ״Buch“ findet.; z. B. ״eine Rolle eines Buches“, ״eine Buch-Rolle“, als ob einer dieser Ausdrücke nicht genügen würde, die gewünschte Vorstellung zu vermitteln. Nachdem der Grundbegriff festgelegt ist, kann er auf einfachere Ausdrücke, wie ״diese Rolle“, bezogen werden, aber nur dann, wenn sein Inhalt bestimmt worden ist. Auch Zech 5 vermag diese Ansicht nicht zu erschüttern, obgleich diese Stelle aus einer späteren Zeit stammt. Dort wird der Prophet gefragt, was er sieht, und er antwortet: ״eine fliegende Rolle“. Der nächste Vers bringt dann Bestimmungen über die Art der Rolle. Aus diesen Tatsachen können wir leicht den Schluß ziehen, daß im Zeitalter Jeremias und Ezechiels keines der beiden Worte allein genügte. Es gab Bücher, die keine Rollen waren, ebenso wie es Rollen gab, die keine Bücher waren; und infolgedessen war das Kompositum ״Buch-Rolle“ oder sonst eine Beschreibung über die Art der Rolle erforderlich, um die Bedeutung klarzustellen. Dies kommt durchaus der Ansicht entgegen, die schon vorher über die Form der Bücher Moses geäußert worden ist.“ Das scheint die Geschichte des Buches gewesen zu sein. Nun wollen wir untersuchen, ob die innere Beschaffenheit der vorhandenen Schriften mit dieser Anschauung oder mit der Quellentheorie übereinstimmt. § 3. Wenn man die Form und die Anordnung des Inhalts des Pentateuch prüft, steht man einer Fülle von Tatsachen gegenüber, die man nur dann erklären kann, wenn man eine Hypothese der Ueberlieferung des Pentateuch aufstellt, die die vorhandene Unordnung und Schäden erklären kann. Diese Unordnung und Schäden sind von solcher Art, daß es unmöglich ist, sie dem absichtsvollen Handeln eines intelligenten Geschöpfes, das Verantwortungsgefühl hat, zuzuschreiben. Man muß sich erinnern, daß die Quellenhypothese annimmt, daß Redakteure, ob von JE, JED, JEDP oder von einer sonstigen Fassung, vorher existierende Dokumente zu einer Form vereinigten, die dem Volk annehmbar erschien. Sie handelten nach verständlichen Grundsätzen; und wenn wir hören, daß sie zwei verschiedene Darstellungen ein und desselben Ereignisses fanden und daran gingen, eine Erzählung zusammenzusetzen, die die wesentlichen Züge beider vereinigen sollte, können wir ihr Vorgehen und ihre Motive verstehen und würdigen. In solchen Fällen kann die Hypothese annähernd richtig sein oder auch nicht; sie ist aber auf jeden Fall möglich und verständlich. 1 Bibliotheca Sacra 1920, S. 382.

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