Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Pentateuch-Frage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 294 (sequence 3)
- Language
- German
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294 der Zeitabschnitt, der seit der Urschrift des Pentateuch vergangen ist, so bedeutend, daß er die schärfste Untersuchung, die äußerste Anstrengung fordert, einen kritischen Text zu schaffen, um so mehr als die älteste hebräische Handschrift, der sogenannte Nash-Papyrus, wichtige Abweichungen in den wenigen Versen zeigt, die er enthält. Doch ist nichts dergleichen versucht worden: und die ganze Quellentheorie ist auf Grundlagen errichtet worden, die vom Standpunkte ernster Forschung als äußerst morsch bezeichnet werden müssen. Der vorliegende Aufsatz beabsichtigt, einen kleinen Teil des betreffenden Materials zu prüfen und zu zeigen, daß die elementarsten Untersuchungen gewisser in die Augen springender Phänomene große Teile des Beweismaterials zunichte macht, auf dem die Theorie aufgebaut sein will, und zu Schlüssen führt, die mit ihr unvereinbar sind. § 2. Die Ansicht, die die Basis der meisten neueren Werke bildet, wird, kurz gefaßt, in Murrays Illustrated Bible Dictionary zum Ausdruck gebracht: ,,Was die Form betrifft, in der die heiligen Schriften erhalten wurden, so kann darüber wenig Zweifel bestehen, daß der Text gewöhnlich auf Häute geschrieben war, die zu Rollen geformt wurden — wie die modernen Synagogenrollen (Ps 407, Jer 3614, Ezek 2g, Zech 5ג)“ (S. 615 b). Im Gegensatz dazu beabsichtige ich, den Beweis zu erbringen, daß die frühe Form des Pentateuch in losen Blättern oder aus einer Reihe solcher Schriftstücke bestand, die in der Form unverbunden waren, so daß ein Durcheinandergeraten leicht möglich war. Außerdem gibt es Gründe für die Annahme, daß die Sammlung im Verlauf ihrer Geschichte irgendwann einmal Schaden erlitt, und viele unserer Schwierigkeiten sind die Folge von Versuchen, diesen erlittenen Schaden wieder gutzumachen. Das Wesentliche dieser Ansicht besteht natürlich nicht in der Frage, ob das Material zusammengerollt war, sondern ob es fortlaufend angeordnet war oder nicht. Wenn Jesaia (8!) von einer großen גליון spricht, sehen wir, daß er etwas meint, das nicht mit einer Buchrolle verglichen werden kann, wenn es auch, nach dem Maßstab von גליונות beurteilt, von beträchtlicher Größe war. Es kann — und kann auch nicht — aus einem Material bestanden haben, das man rollen konnte, der genaue Sinn ist umstritten. In jedem Falle wurde manches Schriftstück gerollt (vgl. Js 344)x, um eine bequemere Aufbewahrung zu gestatten, aber ein langes Werk konnte nicht auf ein einziges solches Papier geschrieben werden: es mußte sich über mehrere erstrecken. Es scheint drei Entwicklungsstufen in der Geschichte des Buches in biblischer Zeit gegeben zu haben. Zuerst finden wir ein Buch, das aus einem oder mehreren kurzen Schriftstücken besteht. Hier entspricht der Gebrauch von ספר״“ dem modernen Gebrauch von ,,Buch“. Wir können den Ausdruck ,,Buch“ auf viele, äußerlich unzusammenhängende Bände oder auf einen einzigen Band anwenden. 1 Vergl. G. Beer (Zur Israelitisch-jüdischen Briefliteratur in der Kittel-Festschrift (BWAT. XIII, 1913), 24) ״Jes 3ויפרשהו 15ל weist auf zusammenrollbare Schreibstoffe hin.“