Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Studien zur Septuaginta an der Hand der zwölf kleinen Prophetenbücher
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 262 (sequence 21)
- Language
- German
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262 Übereinstimmend mit Targum ist auch Hos 5u }p אחרי (s. o, V) בתר ממון דשקר, (aber trotzdem hat MT den Satz richtiger verstanden; er ist ironisch gemeint: Ephraim ist geprellt worden, עשוק, da er umsonst an Aschur Geld gezahlt hat, vgl. II Kön 1520; er hat sieh freiwillig — d. i. חלאיל — fremdem Befehl unterworfen). Ebenso ist Hos 13 5 רעיהיך Targ. ספקית צרכיכוץ (s. o.); Zach 145 ־== לנפתס Targ. ויסתתים. Die geistige Verbindung zwischen der palästinischen und der alexandrmischen Exegese tritt deutlich in einem Eall hervor, wo die talmudische Agada eine Deutung vorschlägt und mit guter grammatischer Begründung zwei andere zurückweist. R. Josua b. Levi bemerkt zu Zach 210: ״Wie die vier Winde“, das könne nicht sagen wollen: ״nach den vier Winden, zerstreute ich euch“, denn dann müßte es heißen לאלבע; auch nicht: ״von den vier Winden werde ich euch zusammenführen“, denn es müßte dann heißen מארבע; sondern: wie die Welt nicht ohne die vier Winde, so kann sie ohne Israel nicht bestehen1. Nun hat tatsächlich die Septuaginta eine dieser abgelehnten Deutungen: ix toov t8göuqcov ävi^icov . . . cwpcc^oh vpag, und Targum die andere: כארבע רוחי שמיא בדרית יתכון, während die rabbin. Agada sich genau an den mas. Text hält! Ein merkwürdiges Beispiel für eine scheinbar infolge eines sonder־ baren Lesefehlers mißverstandene und gedankenlos übersetzte Stelle, in Wirklichkeit aber auf einer anderweitig wohlbekannten agadischen Auffassung beruhende Wiedergabe des Textes ist folgendes. Jud. I19 בי“ רכב?.רזל לחם lautet bei LXX: Sri cP^%aß disareilmo av'iöig. Der Übersetzer hat möglicherweise הבליל gelesen (Lev 1147, להבדיל SiadretXai), oder ברזל nur so gedeutet2, dabei aber ״Reebab“ als Eigennamen betrachtet. Was fiel ihm ein? Er war nicht unwissend; den Ausdruck רפב ברזל kennt er sehr gut und übersetzt ihn 43 ganz richtig aQpaza öidfiQä. Er hat keinen Unsinn hineingeschrieben, sondern, wie in Mechilta (Jethro)3 fragmentarisch und in Jalkut z. St. zusammenhängend angeführt, auch von Qimchi Jud 1!6 zitiert 1 Taanith 3&;אילימא דבדרתיגבו בארבע רוחי דעלמא? אי וזכי, כארבע בארבע מיבעי ליה [אלא דמכניפנא לכו מד' רוחי -— אי הכי, מארבע מיבעי ליה] אלא כשם שאי אפשר לעולם בלא רוחות, כך אי אפשר לעולם בלא ישראל. Den hier ergänzten Satz hat Raschi vorgefunden, aber, da ihm die Septuaginta nicht bekannt war, sich nicht sicher zu erklären gewußt — er ist zu פרשתי zu sehr in Widerspruch — und ihn zu eliminieren vorgeschlagen. Er fehlt auch in den Talmud-Editionen, ist aber sowohl in Jalkut wie in En Jakob erhalten. Vor R. Josua b. Levi hat der Proselyt Ketia bar Schalom (z. Z. Kaiser Hadrians), nach Ab. z. 10b, diese Deutung vorgetragen; er dürfte die LXX wohl gekannt haben. 2 Vielleicht auch nur פרש ברז, vgl. das spätere פרושים, aufgefaßt. 8 Ed. Weiss, 1865, S. 69. ׳