Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Syrisch-palästinensische Altertümer
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 237 (sequence 13)
- Language
- German
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237 Es handelt sich bei den Ostraka, wie bereits Clermont- Ganneau voranssetzte, ־um Zinsabgaben seitens der Städte an die königliche Oberaufsicht. Der Hof wie die Stadt waren fest gebaut, das Leben ein üppiges, die Organisation eine für jene Zeit als vollkommen zu bezeichnende. In Sebaste, dem alten Samaria, pflegte man bisnunzu die Ueberreste des Forums, des Senats, des alten Palastes zu bewundern. Samaria war — das wußte man — ganz von Mauern umgeben. Die amerikanischen Grabungen belehren uns, wie Contenau richtig bemerkt, daß auch zwei rundförmige Türme da waren, um die Stadt vor dem Eindringen feindlicher Truppen zu schützen1. Die von Diodetian in Spalato errichteten Bastione sind somit jetzt als eine Nachahmung anzusehen. Auch in dieser Hinsicht war der Orient — diesmal das Land der Bibel2 — vorbildlich, ein Umstand, der die von Georg J a c o b in seiner Arbeit über den Einfluß des Morgenlandes auf das Abendland entwickelten Anschauungen bekräftigt. — Neben Samaria steht heute die phönizische Stadt Byblos, in der Bibel גבל, im Mittelpunkt wissenschaftlichen Interesses, und zwar infolge der erfolgreichen Grabungen Montets. Benjamin aus T u d e 1 a, der gegen 1165 von Spanien aus seine Reise antrat, hatte noch Gelegenheit, das Heiligtum und die Statuen der Gottheiten in Byblos zu sehen. Er erwähnt sie auch in seiner Beschreibung. Viel diskutiert ist der Passus 3ושם שקוץ בני עמון יושב על ♦ ♦ ♦ כסא. In Martinets Uebersetzung4 lautet die Stelle folgendermaßen: ,,Gebail ... an der Grenze der Ammoniter, mit 50 Juden, im Reiche der 7 genuenser Patrizier, deren Fürst Julianus Embriaco ist. Hier hat man Ruinen eines Tempels der Ammoniter gefunden mit dem Götzenbilde desselben, welches auf einem steinernen, aber mit Gold überzogenen Throne saß, dem rechts und links eine Frauensperson zur Seite stand und vor ihm ein Altar, auf dem die Ammoniter ihm. opferten und räucherten“. — ,/Ammon“ hat hier für Benjamin die Bedeutung von ,,Heidentum“; im großen und ganzen jedoch werden seine Angaben, wie D u s s a u d bemerkt, durch die Grabungen vollauf bestätigt5. Die ältesten ,in Byblos seinereit ausgegrabenen Gegenstände sind schwerlich älter als das Neue Reich6. Die phönizische Inschrift auf der Votivstelle des Königs Jehavmelech — von ihr sind nur Bruchstücke erhalten — gehören ins V.-VI. Jahrhundert. Byblos hatte seit jeher für Aegypten großes Interesse — die Aegypter 1 Contenau, Le congres international d’archeologie de Syria-Palestine, Syria, 1926, Paris, Geuthner, 1926, S. 268. 2 Dies zur Ergänzung meines Aufsatzes ״Oriente e Occidente“ in ״Riv. di Antropol.-Atti d. Soc. Antropol. Romana“, Rom, 1926. 3 Siehe zur Stelle u. A. Israel S. H o r o w i t z, ארץ ישראל ושכנותיה, Wien, I, 1923, S. 180. — Ferner Dussaud, Le sanctuaire ph&iicien de Byblos d’apres Benjamin de Tudele, in ״Syria“, 1926. 4 Martinet, Reisetagbuch des Rabbi Benj. von Tudela, Berlin, Lamm, 1918, S. 10. 5 Zur Geschichte der Stadt Byblos s. ThomseninEberts Reallex. d. Vorgesch., II, 1925, S. 246 f. 6 Vincent, Les fouilles de Byblos in ״Revue Biblique“, Bd. 34, 1925, Nr. 2, S. 162.