Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Syrisch-palästinensische Altertümer
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 236 (sequence 12)
- Language
- German
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236 kunst, die Ostraka hingegen, die Scherben von Tongefäßen, die verschiedene Inschriften enthalten, bilden einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der Schriftentwicklung. ״Für die Bestimmung der Ursprungszeit dieser Funde sind die eben in derselben Grabungsschicht in Samaria entdeckten Tonscherben einer ägyptischen Vase entscheidend, auf denen die Spuren einer ägyptischen Inschrift keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, daß die Vase aus der Zeit des Pharao Osorkon II. stammt, der von 874—853 regierte und mithin ein Zeitgenosse Achabs war, dessen Regierungszeit in die Jahre 874 bis 854 fällt/' Die Ostraka und die in Byblos neuentdeckte Inschrift des Ahiram-Grabes, von der hier weiter die Rede sein wird, bieten Dussaud1 Gelegenheit, die Alphabete einer ganzen Reihe von Inschriften zu vergleichen: Byblos, Ahiram, Ende des XIII. Jahrh.; Byblos, Abiba'al, Ende des X. Jahrh.; Geser, etwa 900; samaritanische Ostraka (ca. 865); Mega' (ca. 900); die Siloah-Inschrift (ca. 700) usw. Die bei den Grabungen entdeckten Inschriften bieten immer wieder neue Elemente zur künftigen Wiederherstellung des Entwicklungsganges der semitischen Schrift2. Die Ergebnisse dieser Forschungen werden künftighin für die Textkritik der Bibel Zweifelsohne von hoher Bedeutung sein. Die samaritanischen Ostraka enthalten überdies viele Städtenamen (darunter sind sehr viele aus der Bibel bekannt), die Dussaud zu einer wichtigen geographischen Studie den Stoff abgeben. An und für sich sind die Ostraka Verrechnungen von Abgaben anläßlich der Sendungen von Wein und Oel. Wir lassen hier in Umschrift zwei Texte als Beispiel folgen: בשת העשרת מאבע. - ור לשמריו נבל ין ישן לאשא נבל ין ישן מתתל ,,Im 10. Jahre (aus der Stadt des) Abiezer an Schemarjo ein Krug aiten Weines. An Ischa ein Krug alten Weines aus Thethel.“ בשת העשרת טאו — ה לגדיו נבל שמ - ן רחץ ,,Im 10. Jahre (aus der Stadt des) Azah an Gadjo ein Krug Salböl.“ R e i s n e r und Dussaud übersetzen mit Bezug auf ‘Arnos 66 ,,feines Oel“ (huile fine). 1 Dussaud, Les inscriptions pheniciennes du tombeau d’Ahiram, roi de Byblos, Extr. de la Revue ,,Syria“, Paris, Geuthner, 1924, S. 149. — Duss aud, Samarie usw., S. 329. 2 Ich ergreife die Gelegenheit, um auf folgendes hinzuweisen: Die Zeichen, die Gontenau, La civilis, ph&iie., S. 318 f., als alt-sinaitisch hinstellt, sind entschieden׳ einer gründlichen Revision bedürftig. So ist z. B. das Zeichen, das er für d a 1 e th bietet, ganz bestimmt ein samekh (samak Fisch). Was er als ein qüf ansieht, ist eigentlich ein ש usw. — Auch D u b n o w s Be־ merkung, die Mesa‘־ Schriftzeichen ״gehören dem ältesten Schrifttypus der hebräisch-phönizischen Lettern an“ (Geschichte, I, S. 169, Anm. 1), entspricht nicht dem jetzigen Stand der Wissenschaft.