Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Syrisch-palästinensische Altertümer
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 5)
- Language
- German
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229 Eine spätbabylonische Chronik berichtet sogar von einem Vorstoß des Hethitertums gegen Babylonien um 1921 v. Chr. Dieser hatte den Sturz der Hammurabidynastie zur Folge und brachte für 600 Jahre eine fremdländische, kossäische Dynastie in Babylon zur Herrschaft. Die Stadt Chatti (Boghazköi) ist etwa um 1800 der Mittelpunkt eines hethitischen Staatswesens geworden, das sich im Lauf von 600 Jahren zu einer Aegypten, Assur, Babylonien gleich־ gestellten Großmacht entwickelte. Die Macht der Hethiter erstreckte sich über den größten Teil von Kleinasien und dehnte sich bis tief nach Syrien aus, wo vom 16. Jahrhundert an die Pharaonen seiner weiteren Ausbreitung Widerstand leisteten. Ein zwischen Ramses II. und Schübiliuma von Chatti geschlossener Vertrag setzt die Grenzen der beiderseitigen Einflußgebiete fest. Um 1200 wurde das nun in seiner Macht beschränkte Reich vom König der Mitanni erobert und wenige Jahrzehnte später ist auch dieser Staat den Assyrern zur Beute gefallen. Einzelne Kleinstaaten im Norden Syriens — vor allem Karkemisch — behielten noch einige Jahrhunderte hethitischen Charakter. ,,Mit dem Fall von Karkemisch im Jahre 715 ist dann die politische Macht der Hethiter endgültig zerbrochen, und es ist bald jede Spur von ihnen verloren gegangen, so gründlich, daß die klassischen Schriftsteller nichts mehr von ihnen zu erzählen wissen1.“ — ,,Wenn wir uns diesen Verlauf der Geschichte der Hethiter vor Augen halten, so sehen wir, daß das über dieses Volk im A.T. Berichtete sich mit den geschichtlichen Tatsachen gut in Einklang bringen läßt. Wenn in den Erzählungen von den Patriarchen die Hethiter als in Palästina ansässig vorausgesetzt werden, oder wenn befohlen wird, sie aus dem Lande zu vertreiben (Exod 2328; Jos 14 u. ö.), so wissen wir heute, daß hierin richtige geschichtliche Erinnerungen zu suchen sind (vgl. auch Ex 163; Jos 102). Andererseits entspricht es der weitpolitischen Lage der Hethiter in der israelitischen Königszeit, wenn. in ihr Hethiter in Israel nur mehr als Beisassen unter den Israeliten erwähnt werden2“. Siehe I Sam 266; II Sam ll3ff. Die Chatti standen mit Aegypten im Kampf nur um den Besitz Syrien-Palästinas. Anders die ,,Herrscher der Fremdländer“, wie die Aegypter sie nannten, die Hyksos. Diesem halbsemitischen Stamm gelang es sogar, Aegypten zu unterwerfen. Bald nach dem Zerfall des ägyptischen Mittelreiches (etwa um 1700 v. Chr.) drangen sie ins Nildelta, von wo aus sie einen großen Teil des Niltals eroberten. Um 1580 begann der ägyptische Befreiungskrieg. Die Aegypter machten sich frei und unter Thutmosis III. (etwa 1500 v. Chr.) gelang es ihnen sogar Syrien-Palästina ganz zu erobern. Ausschlaggebend war die Schlacht bei Megiddo. Gleich Ta'anak, der Stadt, die unter der Leitung Sellins in den Jahren 1902—04 ausgegraben wurde, wird auch Megiddo, heute Tell-el-Mutesellim, von Thutmosis III. zu den von ihm eroberten Städten gezählt. Auch diese Stadt wurde (vom Deutschen Palästina-Verein) in den Jahren 1903—1906 ausgegraben. Acht Kulturschichten wurden unterschieden, von denen die älteste bis ins 3. Jahrtausend zurückreicht. Zu den wichtigsten 1 Otto Weber, Die Kunst der Hethiter (Einleitung), S. 9. 2 Jirku, a. a. O., S. 167 f.