Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Syrisch-palästinensische Altertümer
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 227 (sequence 3)
- Language
- German
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227 Wie in der Kunst und in der Heilkunde — so auch in der Religion. Im phönikischen Pantheon thronen die Götter des Westens, der Amurru — und Mesopotamiens. Viel verehrt ,wird die babylonische Göttin der Fruchtbarkeit I§tar unter dem Namen ,,Astarte“, hebr. ,agthoreth. Istar wird in ihrer Heimat mit einem kleinen Kinde auf den Händen dargestellt. In den bei den palästinensischen Grabungen gefundenen Abbildungen der Astarte erscheint die Göttin entweder mit Schleierhaube oder mit Hörnern als Kopfschmuck. Die Hände halten die Brüste, liegen auf dem Bauch oder sind seitwärts emporgehoben. Auf das Bild der gehörnten Astarte ist der biblische Stadtname עשתרות קרניים zurückzuführen. — Der Gott der Vegetation, Tammuz — Ezechiel klagt über die Weiber, die den Tammuz beweinen — heißt hier Adonis. Adad — man denke an den in der Bibel vorkommenden Namen Hadad — ist der Gott des Blitzstrahls und des Donners, der Gott des Himmels. Man betete die Quellen und die Bäume an; die Anhöhen waren Kultstätten. Contenau vertritt — auf die Ergebnisse der Ausgrabungen in Gezer hinweisend — die Ansicht, daß der von den vorsemitischen Kanaanäern geübte Brauch (vielmehr unglückselige Mißbrauch) der Opferung der Erstgeborenen von den Phöniziern bis in die neuere Zeit noch immer beibehalten wurde. Salomon Reinach — darauf sei der Vollständigkeit wegen hingewiesen — ist jedoch der Ansicht, es könnte sich eher um ein rituelles Spiel, um eine dramatische Aufführung, um eine symbolische Handlung als um Kindermord gehandelt haben1. Die Ausgrabungen scheinen jedoch Contenau Recht zu geben. Die in der Bibel hier und da erwähnten Menschenopfer scheinen im vorisraelitischen Kanaan weit verbreitet gewesen zu sein. ,,Dies lehren uns die sog. Fundamentalopfer, die vornehmlich in Gezer und Ta'anak aufgedeckt wurden ..... Daß es sich bei diesen, meist in Krügen dargebrachten Menschen auch wirklich um Opfer handeln wird, scheint auch daraus hervorzugehen, daß in Gezer in einem solchen Kruge, in dem sich sonst Menschenleichen befanden, kleine silberne Figuren gefunden wurden; scheinbar eine Auslösung des Menschenopfers“2. Diese religiöse Verirrung wirft helles Licht auf I Kön 1634. Betreffs der Fundamentalopfer sei noch bemerkt: Die Babylonier pflegten unter dem Fußboden der Zimmer, in der Nähe der Wände, im Viereck Statuen von Göttern und Dämonen zu rein prophylaktischen Zwecken anzubringen (s. G. Furlani, II rito babilonese assiro della copertura del timpano sacro. Estr. d. Atti della Reale Accad. d. scienze di Torino, Bd. LXII, 1927, S. 308, A. 1). Von Interesse ist auch folgende Bemerkung Greßmanns: ,,Die Zauberreligion, die in einzelnen Kreisen der babylonischen Judenschaft geherrscht haben muß, ist uns nicht nur in Nachrichten der rabbinischen Literatur bezeugt, sondern auch in einer unmittelbaren Quelle ־. in den an Ort und Stelle gefundenen jiidischenZauberschalen, von denen eine große Zahl auch in der Vorderasiatischen Abteilung des Berliner Museums vorhanden ist. Sie stammen aus 1 Sal. Reinach, Orpheus, Hist.gen. des rel.2, Paris, Fournier, 1926, S.62. 2 J i r k u, Altorient. Kommentar zum A. T., 1923, S. 161. 15*