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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 3 · p. Seite 226

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 3
Article
Syrisch-palästinensische Altertümer
Date
1928-01-01
Page
Seite 226 (sequence 2)
Language
German
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226 In einem jüngst veröffentlichten Sammelwerk1 wird die Meinung vertreten, das Land der Amurru, im nördlichen Syrien, sei die Wiege der semitischen Völker gewesen. Zweifelsohne findet man sie auch dort in ganz alter Zeit. Fraglich ist nur, ob sich das semitische Element dort gebildet habe. Es konnte ja auch von draußen eingewandert sein. Nicht unerwähnt soll es schließlich bleiben, daß manche Forscher die Phönizier aus der Gegend des persischen Golfs eingewandert wissen wollen. Auf den Werdegang der phönizischen Kultur weist Georges Contenau in einer interessanten Monographie hin2. Als Attache der Abteilung für orientalische Altertümer am Louvre-Museum wurde er mit der Leitung der archäologischen Missionen in Syrien beauftragt. Mit besonderer Vorliebe und mit tiefer Sachkenntnis behandelt er jene Epoche der Ausgrabungen, die von den Unternehmungen unter Renan — zu jenen Grabungen bot die wegen der Metzeleien im Libanon 1860 abgesandte Expedition Gelegenheit — ausgehend sich bis auf die von ihm (Contenau) und letztens von M o n t e t geleiteten Grabungen erstreckt. Laut der Völkertafel im I. B. M. 1015 war Zidon — diesmal ipars pro toio} d. h. also Phönizien — der ,,Erstgeborene“ Kanaans, der ein ,,Sohn“ Chams d. h. Aegyptens war. Die phönizische Sprache gehört zwar der semitischen Gruppe an, jedoch ging der älteste auf Phönizien ausgeübte Einfluß tatsächlich von Aegypten aus; weniger intensiv, dabei doch stark genug wirkten auf die Entwicklung der phönikischen Kultur semitische (kanaanäisch-amurritische), asianische (hethitische), ägäische und autochthone, nicht näher bestimmte Strömungen. Die Amurriter und Kanaaniter waren in Kanaan überall zu finden, was in Ezechiels bekanntem Ruf an Jerusalem (163) zum Ausdruck kommt: ״Dein Vater der Amurrite und deine Mutter die Hethitin“. Ezechiel war im allgemeinen ein ausgezeichneter Kenner von Land und Leuten; seine berühmte Klage über Tyrus (271-25) ist ein unübertrefflicher Beitrag zur phönizischen Handelsgeschichte. Die אני1ת תרשיש (Ps 48ö) sind der Typus jener mächtigen Handelsschiffe, mit deren Hilfe Phöniziens Seefahrer über das mittelländische Meer weit hinaus vordrangen. Der Schiffbau und der Seehandel machten Phöniziens Größe aus. Die in den Gräbern der ägyptischen Könige der I. Dynastie (3000 v. Chr.) — in Abydos — Vorgefundenen Vasen sind aus Phönikien importiert worden, ״wahrscheinlich mit Zödernöl gefüllt, das bereits in den ältesten Opferlisten Aegyptens genannt wird und offenbar aus dem Libanongebiet stammte“. Eine eigene Kultur haben die Phönikier nie besessen. In der Baukunst, der Industrie, der Kunst folgen sie dem Beispiele anderer. So kann es nicht wundernehmen, wenn die in Byblos, dem biblischen Gebäl, entdeckten Königsgräber einen ägyptischen Charakter auf weisen, während die Grabstätten in Kafer-ed-djarra dem kanaanäischen Typus angehören. 1 Les primieres civilis ations par Fougeres, Contenau, Grousse t, Jouget, Lesquier, Paris, Alcan, 1926, S. 86 f. 2 Contenau, La civilisation phenicienne, Paris, Payot, 1926.

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