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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 2 · p. Seite 214

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1928-01-01
Page
Seite 214 (sequence 2)
Language
German
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214 Der Text, den Brody mit Hilfe der Ausgabe von Brescia und der beiden obenerwähnten Handschriften kritisch rekonstruiert, ist also der hier mit x he zeichnete, abgesehen von einigen Konjekturen an Stellen, wo Ausgabe und Handschriften ihm gleichermaßen fehlerhaft erschienen sind. Es ist ein Text, von dem wir annehmen können, daß er dem von Immanuel ge־־ wollten ziemlich nahe kommt, und der uns jedenfalls zum ersten Male die Möglichkeit gibt, die Mechabberoth bequem zu lesen und ihre Vorzüge zu genießen, ohne jeden Augenblick von Textfehlern gestört zu werden. Man hätte noch einen Schritt weiter gehen können, nämlich auch noch die anderen vorhandenen Manuskripte prüfen und versuchen, über x hinaus so nahe als möglieh an den Text des Dichters heranzugelangen. So wäre eine wirkliche kritische Ausgabe zustande gekommen. Aber für praktische Zwecke kann das, was der ausgezeichnete Herausgeber uns geschenkt hat, sicherlich genügen, und in keinem Falle haben wir das Recht, mehr von ihm zu verlangen, als was er uns hat geben wollen, und das ist schon etwas Vorzügliches, wofür wir ihm von ganzem Herzen dankbar sein müssen. Die Anmerkungen sind nach der Methode abgefaßt, die Brody in seinen Ausgaben mittelalterlicher hebräischer Gedichte anzuwenden pflegt: sie enthalten die Angabe der biblischen oder rabbinischen Stellen, auf die der Dichter anspielt oder aus denen er seine Ausdrücke schöpft, und hier und da, wenn der Text schwieriger scheint, eine kurze Erklärung des Sinnes. Als Bestätigung der hohen Wertschätzung, die ich für die Arbeit Dr. Brodys empfinde, erlaube ich mir, einige Beobachtungen hinzuzufügen, die ich bei nochmaliger Lektüre des Immanuel in seiner Ausgabe und mit seinen Anmerkungen gemacht habe. Der Text x ist mit großer Sorgfalt von Brody rekonstruiert. Dennoch können wir in Einzelheiten nicht immer mit ihm Zusammengehen. Betrachten wir zunächst die Konjekturen, die er an solchen Stellen eingeführt hat, an denen die drei von ihm benutzten Texte in einer ihm falsch scheinenden Lesart übereinstimmen (mit anderen Worten, wo er den Text x als fehlerhaft ansah), so werden wir finden, daß diese Konjekturen nicht immer gerechtfertigt noch befriedigend sind. S. 124, Z. 14 z. B., wo x ,רוח קדים, קומי ופחי זקן, לא ישקיט פי, קפפי haben würde, verbessert er לא ישקיט in כי השקיט, wobei er offenbar השקיט im Sinne von ,,hat ruhen machen“ auffaßt, d. h. hat mich verhindert, zu essen, wie ich gerne möchte. Doch ist sicher der Text von x vorzuziehen; השקיט muß hier die Bedeutung ,,in Ruhe lassen“ haben (0״ Ostwind, schneide das Greisenalter ab, das meinen Mund nicht in Ruhe läßt“), wie es die vorhergehenden Verse beweisen (Z. 6: מיום זע פי; Z. 12: זקן המחריד פי usw.). — Ebenso verbessert Brody S. 219, z. 12, wo es nach x כי הוביש עיש בבכייתו heißen würde, הוביש עינו (oder עיניו, s. 12 der Einleitung). Der Text von x gab einen ganz guten Sinn. Die banale und platte Redensart ,,hat sein Auge (oder: seine Augen) ausgetrocknet“, stimmt nicht recht zum Zusammenhang, der hier eine starke Hyperbel erwarten, läßt (im folgenden Vers: ,,hat Gihon und Euphrat angeworben, damit sie sich mit seinen Tränen vereinigen“), und die Hyperbel ist in der Lesart von x gegeben. ,Ajiseh ist die Gruppe der Hyaden, des Regengestirns, die den Kopf des Stiers bilden; vgl. Berakhoth 58b: מאי עש אמר ר׳ יהודה יותא מאי יותא אמרי לה זנב טלה ואמרי לה רישא דפנלא!; und der Ausdruck Immanuels muß aufgefaßt werden: ״er beschämt die Hyaden, das Regengestirn, mit seinem Weinen.“ An einigen Stellen wiederum, wo Brody den Text für ganz in Ordnung hält, möchte ich stark mit der Möglichkeit rechnen, daß er verdorben ist. So wird s. 24, Z. 17: ואם באתי לחבר קורותי חברתי בהם מגלה mit aller Wahrscheinlichkeit in ואם באתי לספר וגר zu ändern sein; vgl. S. 28, Z. 1: ולו באתי לספר דאבוני וקורותי אחבר בם מגלה. s. 60, Z. 5: תמר מפרי מגדי ומבחר נרדי wird zu lesen sein: תמר פרי מגדי וגד. S. 136, Z. 1: לא נמצאה מצוי בשם קדמון אט תעריכחו לקדמותו wird der Lesart תעריכהו (offenbar auf eine der oben- 1 Wegen der Bedeutung von ’Ajiseh s. auch Schiaparelii, L’astronomia nell’ Antico Testamento, Mailand 1903, S. 69—76.

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