Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 17)
- Language
- German
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200 Zeit. Zwei der besten sind das Dankgedicht anläßlich der Wieder־־ genesung Rabbi Nachman Krochmals und ein Lobgedicht zu Ehren der heiligen Gemeinde Brody aus dem Jahre 1829, das von kulturhistorischer Bedeutung ist, weil es die hohe Stellung Brodys in der Geschichte der galizischen Aufklärung bezeugt. Als Sprachkünstler steht Letteris unerreicht da. Die hebräische Sprache wird von ihm in die mannigfaltigsten Formen gegossen, ohne etwas von ihrer ursprünglichen herben biblischen Schönheit zu verlieren. Besonders sind ihm Naturschilderungen gelungen. Man denke etwa an den wuchtigen, machtvollen Rhythmus des Morgen־־ liedes: Rinat Boker oder an das kunstvolle Metrum des Gedichtes: Gale ha״Mäim, aus dem uns das Funkeln, Rieseln und Gleiten der Wasserwellen entgegenklingt. Kein Zweifel:' Letteris bildet den Gipfel der Maskilimpoesie. Selbstverständlich findet sich unter seinen Gedichten auch das Thema der Liebe zu Sprache und Stamm. Die größte Wirkung hat bis auf den heutigen Tag sein Gedicht Jona humijah, die klagende Taube, ausgeübt, ein Werk, das man eine der Perlen der hebräischen Literatur nennen darf. Die klagende Taube, ein Bild der K'nesset Israel, hat in einem Augenblick der Verwirrung ihren Freund verraten. Die nun Verlassene wird das Ziel allgemeiner Verfolgung. Die verfolgte und vereinsamte bittet den Freund um Erbarmen, Schutz und Rückkehr: ועת אוד שומעת - IT׳ - קול יונה הומיה T T I מ^ד נפשי יודעת1 : ־ : * ■ ־ בת עמי בוכיה. אוי פי עוטיה אני T T I אני אך נוז־ד־ת, ממעון הגוי סלעי הוי! אני יורךת. דודי עזבני * T *I ־־ * עת בי אפו חרה T T :ען הוליכני שולל רוח סרה. T T - Als deutsch schreibender Dichter behandelt Letteris in der Lemberger Mnemosyne die verschiedensten Themen. Er debütiert in der Nummer vom 27. März 1824 mit einem Gedichtchen: ,,Des Kindes Klage“. Als Schwester Bärbchen starb. Bärbchen dürfte die Schwester Letteris' und Tochter des streng orthodoxen Talmudisten Gerschon Letteris, der, nach dem vielleicht nur ruhmredigen Geständnisse seines berühmten Sohnes einige ketzerische Werke den Flammen überantwortet hat, kaum geheißen haben. Andere deutsche״ Gedichte Letteris' sind: ״Wellen“ (auch hebräisch), ״der Rosenengel und der Elf“, ״die Nixe“, ״abgelebte Tage“. Selbstverständlich entspringen diese Gedichte nicht wirklichen Erlebnissen, sondern 1 Letteris: Ha-zefirah. Leipzig 1824. H. I, S. 1.