Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 14)
- Language
- German
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197 zu machen als eine hochtrabende hebräische in Reime ausklingende Epistel, die man an ihn richtet. Den Rekord schlagen im Versemachen die Heimstätten der galizischen Haskala, vor allem Brody und Lemberg. In Lemberg lebte damals eine große Reihe talentierter Verskünstler und Dichter, von denen manche hebräisch und deutsch dichteten. Ein gewisser Mosche Reizes dichtete sogar auf einmal in sieben Sprachen: Syrisch, Hebräisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch und Polnisch. Der 17 jährige Nachman Jizchak Fischmann aus Lemberg, dessen gediegenste Leistungen der Epigonenzeit angehören, gibt 1827 mit Hilfe von Jakob Samuel Bick ein dem Mäzen gewidmetes Gedichtbändchen ״Eschkol Anavim“ heraus, dessen Inhalt Preis Gottes, Tod, Jugend, Freundschaft und Lob der altjüdischen Ehe bildet. Abraham Natkis, Sohn des ,,Prophet“ benannten Melamed Benjamin Natkis, der die unschuldige Ursache der Maskilimverfolgung von 1815 wurde, pflegt alle Arten der neuhebräischen Lyrik in den ,,Bikkure Haitim“ und im ״ J’ruschalajim“ und glänzt schon als Gymnasialschüler durch deutschgeschriebene Gedichte und Parabeln in der Lemberger ,,Mnemosyne“. Als Poet der Schule spendet er zum 4. Dezember 1827, zum Namensfeste des Gymnasialstudiendirektors Franz Xawer Zachariasiewicz, ״Gefühle“, die in feierlichen Hexametern also anfangen: Rascher töne der Harf liebliche Saite Und die Feier des Tages künde die Herrliche. Der letzte 1910 verstorbene Epigone der großen Haskalaepoche, Dr. Salomon Rubin, beginnt 1848 seine literarische Laufbahn als Herausgeber der Maadane Melech, des Nachlasses eines 17 jährigen Knaben, Menachem Munisch König, der das erste von einem galizischen Juden in hebräischer Sprache angestimmte politische Lied: Hachofschit (Konstitution) enthält. Das begeisterte Gedicht beginnt mit folgenden flammenden Versen: מה זד. ברןר־בי כהולם פעם 'אור עולם ביאינו הבקיע T t T— ״ t ׳ ־ דבר סתר נגלה מני רעם — : - v יו ז " t - חפשית לאסטרליך עתה הגיע. Auch in Brody weilten eine Anzahl Dichter. Chaim Günzburg, der Sohn von Joseph Perls Lehrer und Freund Dow Ber Günzburg, debütiert schon mit 16 Jahren 1821 in den ״Bikkure Haitim“ mit einem gediegenen 'Gedichtchen: K'burat Jeled. Mordchaj Dawid Strelisker (1806—1875) besingt in Schillerschen Versen den großen Brand, der 1838 seine Vaterstadt eingeäschert hat und druckt in den ״Bikkure Haitim“ Lehrgedichte und Exegesen, deren frischer, kecker Ton sogar den ruhigen Prager Dichter J'huda Jeiteis in Aufregung versetzen. Isacher Ber Blumenfeld, ein Brodyer G’wir und ossek be-, d i w r e z i b u r, ein Zeitgenosse und Freund Ben-Sews, veröffentlicht eine dichterische deutsche Uebersetzung des Ijob, die er überdies mit einem interessanten Kommentar versieht. Eins seiner besten Werke ist sein Poem Mossar ha-Adam (Bikkure Haitim 5584, S. 150