Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 12)
- Language
- German
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195 Gebiete der jüdischen Geschichte, als die jüngsten Geschehnisse unter den Juden Polens1. Er hat uns einen köstlichen Brief des Rabbi Sabbataj Kohn an den Magister Walentin aus dem Jahre 1660 und einen klugen Aphorismus seines Zeitgenossen und Mitbürgers Jakowska Landau aufbewahrt2. In dem oben zitierten Briefe an Rapoport gesteht er es unumwunden ein, er verzeichne zeitgenössische Begebenheiten, er werde auch Rapoports Brief als Zeitdokument auf bewahren. Auch als Dichter unterscheidet sich Jakob Samuel Bick vom üblichen Maskilim-Typus. Er übersetzt weder Schiller noch Gleim und Klopstock, sondern die besten zeitgenössischen französischen und englischen Dichter. Wenn er in guter Laune ist, weiten sich seine Briefe zu reizenden Satiren aus. So z. B. sein Brief vom 12. Ab 5588 (1828)3 an seinen Freund Moses Kohn in Brody, den er Haraboni Hamufla und Ham־ schorer Hanaim tituliert. ,,Der liebliche Dichter4* wird wohl ein lokales Wunderkind ge־־ wesen sein; denn wir besitzen über ihn sonst absolut keine Nachrichten, die Bicks Enthusiasmus rechtfertigen könnten. Moses Kohn ist nach Wien gereist, um Chirurgie zu studieren und glücklich zurück־ gekehrt. Bick drückt seine Freude darüber aus: es sei bedauerlich, wenn eine der Vollkommenheit so nahe Persönlichkeit sich mit einem solchen Geschäfte abgebe. Die hebräische Sprache sei das einzig einigende Band der Judenheit. In seiner Freude über des Freundes Heimkehr habe er es sich wohl sein lassen im Essen und Trinken und sei in einen tiefen Schlaf verfallen. Da habe er einen Traum gehabt, in dem er nicht die Zukunft, die nicht sicher vorhergesagt werden könne, sondern die allernächste gewiß wahre Vergangenheit gesehen habe. Seine der Erdenschwere entrückte Seele habe in dem Palast des der hebräischen Muse Vorgesetzten Engel־ fürsten geweilt. Dort habe über Kohns Entschluß große Bestürzung geherrscht. Die hebräischen Dichter der Vorzeit, des Mittelalters und der Neuzeit, darunter die bitterlich weinenden Wessely und Luzatto, seien vor das Tor des Musentempels gelaufen, um die Zurücknahme des Kohnschen Entschlusses zu erwirken. Wahre Dichter, Dichter ohne Schminke und Farbe, seien dabei gewesen, aber auch Lpakdichter, in deren jeglichem Verse das Datum ihres Gesangjahres enthalten ist. Unter ihnen habe sich auch ein Parschiotdichter befunden, der folgende Bitte im Stile der porodierten Sidraanfänge vorlegte: בראשית אבקש ממך שתשיב לנו העלם משה אשר מעולם לא גח מהנות במלאבת השיר, ועתה אמר לו לבו לך לך מארצך אנה» כבואו לעיר ווינא — ויבא אליי חיי צרה (אלה תולדות הזמן■ הרע) ויצא משם׳ וישלח את כוונתו הרחק מלבו וישב בעיר מולדתו ויכתוב את שיריו על ספר, ומקף הימים ויגש אל מכבש הדפום, וימצא בזה פרנסתי ויחי ואלה שמות היקרים אשר יחתמו לקנות __ספרו. 1 Ozar hasifrot, III, Rubr. Licht aus dem Dunkel, S. 25. 2 Bikkure ha-itim X, 1829, S. 43—44. 3 Kerem Chemed I, Br. 22, S. 81, 82. 13*