Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 9)
- Language
- German
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192 geklärten heraus. — So wird aus dem Privatbrief eine Satire von allgemeiner Bedeutung. XI. Ein Gerechter. Jakob Samuel Mick 1. Ueber Bick vgl. Kerem Chemecl I. Brief 22, S. 81—82, enthält eine genaue Charakteristik des merkwürdigen Mannes. 2. Bicks Brief an Tobias Feder, Kerem Chemed I, Br. 28, S. 96—99 ff. 3. A. M. Lipschütz, Essai über J. S. Bick in G. Baders ,,Chermon“, literarischer Kalender für das Jahr 5664. Lemberg 1903. S. 80—84. 4. Bemerkungen über J. S. Bick in Dr. N. M. Gelber: Aus zwei Jahrhunderten R. Löwit, Wien und Leipzig 1924. S. 53—55. 5. Ueber Bicks Familiennamen s. J. Weinlös Haolam, 1925, Nr. 41, S. 819 Der Name, ist eine Abbreviatur des für die vornehme Familie Bicks charakteristischen hebräischen Verses: B’esrat Israel Kamu: Sie traten immer als Parnossim und Stadlonim energisch für die Rechte der Juden ein. Das starre Festhalten der Maskilim an ihren Ueberzeugungen und ihr unentwegtes Streben nach idealen Zielen brachte es mit sich, daß sie das Verständnis für die Menschen und ihre Schwächen verloren. Sie haßten bald alles, was den Weg zur Verwirklichung ihrer Ideale versperrte, verachteten ganze Schichten ihrer eigenen Brüder. Der polnische Gutsherr in Perls M’gale T’mirin liest Beers Geschichte der jüdischen Sekten, stößt auf das tendenziös gefärbte Kapitel über die angeblichen Schandtaten der Chassidim und unternimmt nach einigen mißlungenen Schachzügen der armen unwissenden Chassidim eine wahre Hetzjagd gegen sie — eine Hetzjagd, wie sie nur ein ,,Puritz“1 im Jahre 1816 betreiben konnte. Und dies alles wegen ihrer Ueberzeugungen, die freilich nach der Schilderung der Lichtfreunde sich wie purer Götzendienst ausnahmen. Perl, einer der edelsten Männer jener Zeit, erzählt von jenen Verfolgungen mit vollständiger Gleichgültigkeit, ja er sieht in ihnen eine gerechte Strafe für die Missetaten der Finsterlinge. In dieser durch den Kampf hervorgerufenen Verwirrung der Köpfe und Herzen ist ein Gerechter, ein Maskil, der nicht die kalten Begriffe, sondern das lebendige Volk und sein frisch pulsierendes Leben liebt, eine rara avis. Eine solche Seltenheit war der Brodyer Patrizier Jakob Samuel Bick. Wir besitzen über Jakob Samuel Bick sehr spärliche Nachrichten. Einige in verschiedenen Zeitschriften zerstreute Briefe, einige Gedichte, einige Widmungen in ihm gewidmeten Büchern und einige magere redaktionelle Randglossen zu einem seiner Briefe — das ist alles, was wir von seiner Person, von seinem Lebenswerke wissen. Doch dieses Wenige berechtigt uns zur Behauptung: Jakob Samuel Bick ist einer der genialsten Juden, den das galizische Judentum der letzten zwei Jahrhunderte hervorgebracht hat. Er dürfte im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts in Brody als Sprößling einer Rabbinerfamilie geboren worden sein2. Schon 1815 tritt er. als eine der führenden Persönlichkeiten in Brody auf. Grade um diese Zeit wird ihm die Hetze gegen die Chasidim zu bunt und er beginnt, durch ihre Ueberzeugungstreue, durch ihr brüderliches Miteinander- 1 Polnischer Edelmann. 2 Vgl. 1 und 5 der angef. Quellen.