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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 2 · p. Seite 190

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 2
Article
Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
Date
1928-01-01
Page
Seite 190 (sequence 7)
Language
German
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190 ein Zäddik in die Stadt; alles erreichbare Geflügel wird geschlachtet, auch nnsern Truthahn ereilt das Geschick. Der Heilige verschlingt ihn mit Haut und Haar. Durch diese Erhöhung kommt er in den Schoß einer Frau und wird zum — M'juchas, zu einem Menschen, der als Rabbinerskind von vornehmster Abstammung ist. In seiner Jugend lernt er weder Sprachen noch Wissenschaften, er treibt, ohne eines oder das andere zu verstehen, Talmud und Handel. Am Handel verliert er, wird aber dennoch immer reicher. Er leiht nämlich von jedem und erklärt sich endlich bankrott. Endlich stirbt er eines gewöhnlichen Todes. Der Autor selbst hat ihn behandelt. Auf seine Frage, was er zu tun habe, um die Verwandlungen seines Patienten zu beendigen und ihm Ruhe zu verschaffen, antwortet der Geist, er möge zuerst alles auf schreiben und in Israel verbreiten. Wenn dann der Chassid aufhören werde zu saufen und zum Rebben zu pilgern, der Chasan nicht mehr Gassenhauer und Saufbrüderweisen singen, der Fleisch- und Lichtgefällpächter sich seines Volkes erbarmen und der Kabbalist an den einzigen bildlosen Gott Israels glauben werde, wenn ferner der Totengräber sein heiliges Werk ohne Gewinnsucht ausüben, der Eiferer Andersdenkende achten und der Chassidimrabbi seiner Chassidimschar erklären werde, er sei ein Betrüger, und wenn obendrein der Arzt aufhören wolle, Blendwerk zu betreiben und der M’juchas seine Tochter einem tüchtigen Manne armer Herkunft geben werde, dann werde die Seele des Patienten in den Himmel fliegen und bis ans Ende der Tage Ruhe genießen. Die Bedenken, die der Autor gegen die Möglichkeit so häufiger Metamorphosen geltend macht, zerstreut der Geist bald: Schreibe nur alles auf, damit ich erlöst werde! Ich kenne meine Juden. Die nehmen alles, was ein Geist sagt, kritiklos auf! Erters letzte Arbeit Toldot ha-Cholez enthält das ganze Programm des Cholez, das diese Zeitschrift vollständig durchgeführt hat. Zum Schluß einige allgemeine Bemerkungen über Erters Werke. Die Form von Visionen, che Erter seinen Satiren verleiht, ist nicht nur in der hebräischen Literatur traditionell, sondern auch einem Mann, der einen ganzen Tag arbeitet und nur des Abends Mußestunden hat, durchaus gemäß. Nur solch ein Mann ist imstande, die Poesie der Nacht zu würdigen. Erters Erstlingswerk Mosne Mischkal ist nicht nur als Satire auf Jakob Orenstein merkwürdig, sondern vor allem als Zeugnis für seine Entwicklung. Er steht zur Zeit der Mosne Mischkal bereits auf der Höhe seiner Entwicklung als Politiker und Wissenschaftler. Anders steht es mit seinem künstlerischen Können. Als der große Stilist erweist er sich vollständig erst in dem größten seiner Werke, im Gilgul Nefesch. Inhaltlich steht der Gilgul Nefesch dem Mosne Mischkal sehr nahe. Die Grundidee beider Werke ist die Ueberzeugung von der tatsächlichen Gleichwertigkeit scheinbar weit auseinanderliegender Dinge. Nur wird diese Gleichwertigkeit im Mosne Mischkal an abstrakten Dingen auf gezeigt, während sie sich im Gilgul Nefesch am Beispiel lebender, plastischer Gestalten erweist. In seinem Erstlingswerk ist Erter noch ganz Jude, ganz Ideenmensch; der Gilgul zeigt uns, wie sich der jüdische Geist in ihm mit dem Ge-

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