Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 6)
- Language
- German
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189 verbraucht. Stirbt ein Reicher, so jubelt der Kassierer. Stirbt ein Armer, so herrscht Trauer. Werden Männer mit gekürztem Peot und rasiertem Barte der letzten Waschung unterzogen, so empfangen sie Hiebe. Das geschah einst einem, der sein lebelang fremdes (unjüdisches, ,,deutsches“) Gewand getragen. Kaum erscholl der machtige Schlag auf dem untersten Rückenteil, da erwachte der Selige und glotzte den Schlager an. Dieser fiel in Ohnmacht, aus der er nicht mehr erwachte. Der solange an Leichenschmausen sich den Wanst gefüllt, wird zum Hunde, und befriedigt an Aas seinen Hunger. Er wird ein ungeschlachter Köter, der hinterlistig die Leute anfällt. Genäschig, wie er ist, schleicht er sich zur dritten Sabbathmahlzeit des Stadtzaddik und beginnt einen auf einer Schüssel zurückgebliebenen Knochen zu bearbeiten. Da aber die Scherajim, die Speisereste der heiligen Rabbimahlzeit, sakrosankt und Eigentum der Allergetreuesten sind, will die chassidische Tafelrunde dem Kirchenräuber seine Beute abjagen. Dabei bleibt ihm der Knochen in der Kehle stecken. Der hinterlistige Hund wird nunmehr ein kläffender Eiferer, der die Züge des Hauptgegners aller galizischen Maskilim, des Rabbi Jakob Orenstein, trägt. Als aber der am meisten gehaßte und verfolgte Gegner unseres Eiferers in einer alt ehrwürdigen K’hilla Oberrabbiner wird (Jehuda Löb Rapoport — Tarnopoi), bekommt der Aermste einen Schlaganfall. Die Allgerechtigkeit fügt es nun, daß die Seele des verfolgungssüchtigen Hundes in einen Fuchs gerät, der vom ganzen Hundegeschlecht unaufhörlich verfolgt wird. Die Seele des Fuchses irrlichtert eine Zeitlang herum und lockt die Wanderer in einen unwegsamen Sumpf. Bald aber wird sein prächtiger Fuchsschwanz Eigentum eines frommen Dorfbewohners, der ihn seinem Rebben schenkt. Der Zaddik läßt ihn in kostbare Seide fassen. Kaum berührt das kostbare Gewand den Nacken des Heiligen, so wird der Fuchs zum heiligen Rabbi, der voller Hinterlist ist, wie ein Fuchs. Die Seele des Fuchsrabbi geht dann in einen Esel über. Die passendste Strafe für einen Mann, der sein Leben lang Dummheit verbreitete! Der listenvolle Führer der großen Torenschar, der sich stets an Fleisch und Fisch gemästet hat, frißt jetzt nach schwerer Arbeit Disteln, wälzt sich im Staube, während er sich früher im Prachtgemache reckte. Anstatt der Führerfreuden werden ihm jetzt empfindliche Schläge zuteil. Den Esel reitet ein verrückter Messias. Der König des Landes läßt ihn durch eine Salve einer Söldnerschar begrüßen, durch die auch Meister Langohr sein Ende findet. Seine Seele wird erhöht und fährt wieder in einen Menschenkörper. Der Esel wird nun zum Arzte. Erter zahlt seinen diplomierten Kollegen, die ihn, den Chirurgen — das ganze 19. Jahrhundert hindurch konnten in Oesterreich Absolventen der unteren Klassen einer Mittelschule an einer Universität Medizin studieren, konnten aber nicht diplomiert werden und führten als praktische Aerzte den Titel ,,Chirurgen“ —, wahrscheinlich nur zu oft ihren Hochmut haben fühlen lassen, weidlich heim. Als unser Arzt aber alt wurde und endlich doch das Heilen erlernt hatte und gar einen Patienten vollständig auf die Füße stellte, erschrak König Tod und nahm ihn von der Welt. Der Arzt wird nun ein Truthahn. Während früher Greise sich vor ihm erhoben hatten, wird er jetzt von der Gassenjugend verlacht. Da kommt