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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 2 · p. Seite 187

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 2
Article
Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
Date
1928-01-01
Page
Seite 187 (sequence 4)
Language
German
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187 Mischkal (Bikkure ha־־Itim 1823). . Nachdem sich der vom Tagwerk ermüdete Dichter zu nachtschlafender Zeit viele Stunden lang an edlen Werken des menschlichen Geistes und an eigenen Gedanken ergötzt hat, verfällt er in einen tiefen Schlaf. Er träumt: Sein Tisch ist hell beleuchtet. Ueber ihm erhebt sich eine goldene Wage. Eine Geisterhand stellt haufenweise Gewichte auf beide Schalen. Dann sieht er wie Weisheit neben Reichtum, Erdenleben neben Seligkeit, Fülle neben Genügsamkeit, Glauben neben Aberglauben abgewogen wird. Auch Bücher werden auf die Wage gelegt und — hier hat er Gelegenheit, seinen Witz leuchten zu lassen — manches dickleibige Buch wiegt kaum so viel wie eine dünne Broschüre, nachdem das Gestohlene ausgeschaltet worden ist. Von manchen Büchern ist sogar bloß der Titel und die Vorrede geblieben. Dies betrübsame Schicksal wird dem dicken Folianten eines gewissen Lemberger Gelehrten -— gemeint ist hier Rabbi Jakob Orenstein — zuteil. Die chassidischen Werke halten den abergläubischen, heidnischen, die kabbalistischen denen der Lügenpropheten, die der Kedoschim denen der lasterhaften Heidenpriester die Wage. Erters zweite Satire: Chassidut w’chochma, Chassidismus und Philosophie (Keren Chemed II. 1834) hat autobiographischen Wert. Sie schildert seine Wandlung vom Chassid zum Maskil. In einer Vision kämpfen zwei Frauen um seine Seele. Die eine mit den triefenden Augen, dem wiegenden Gange und dem Kropf am dünnen Halse — Chassidut — rühmt ihm die Macht und das Wohlleben der Zaddikim, — die andere, majestätische, mit der Sternenaureole um das edle Haupt, schildert ihm. die Freuden des Geistes. Es ist ein wahrer Lobhymnus auf die allgemeine Bildung und die innere Befreiung, dessen nur ein freigewordener Talmudjünger fähig ist. In Tlunot Sanaj U־Sansnaj U-Smangelof (Kerem Chemed III. 1837) klagen die drei bekannten Engelwärter aller jüdischen Wöchnerinnen über die schlechte Arbeitseinteilung im Himmel., Viele hunderte von Engeln fungieren nur wenige Tage im Jahre. Sie aber hantieren das ganze Jahr hindurch beim Ueberwachen vieler Millionen von Wöchnerinnen. Diese Satire gegen den jüdischen Engelsglauben führt auch weiter aus, wie durch verschiedene heilige Tätigkeiten der Chassidim und der Rebbes jeden Augenblick neue Engelscharen entstehen, die in den Himmelsphären wahre Wohnungsnot und infolgedessen Unzufriedenheit unter den alteingesessenen Engeln hervorrufen. In Erters vierter Satire (1840) ״Taschhch-Taschlich“— gemeint ist die Sitte der Juden, am Nachmittage des ersten Neujahrstages sich an den Ufern der Flüsse in großen Scharen zu versammeln und unter mannigfachen Gebeten und nach symbolischem Ausleeren der Taschen die Sünden dem Wasser anzuvertrauen — werden die Sünden sämtlicher Schichten des jüdischen Volkes gegeißelt. Er schont hier auch die Maskilim nicht. Die wärfen die Torheiten ihres Volkes von sich und ersetzten sie durch die Torheiten der anderen Völker. Aber an ihren Sünden hielten sie ebenso fest, wie die Frommen. Im Alter oder bei der Heirat ihrer Kinder würden sie selbst aus Opportunismus zu ,,Frommen“. Da erschienen auch sie am Flußufer und schüttelten ihre Sünden aus. Die größte Sünde des Erleuchteten

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