Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829951-2829954-2834442--48187-2834550- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
186 Izchak Erter wurde 1792 im galizischen Dorfe Koniuschok im Przemyäler Kreise geboren. Nach den üblichen Lehrjahren und nach sechsmonatlicher erster Ehe heiratete der kaum vierzehnjährige zum zweiten Male nach dem Städtchen Wielkie Oczy. Der Zufall hatte es mit ihm gut gemeint. Seine zweite Frau war treu und gut und starb einige Jahre nach ihm im Alter von 66 Jahren in Wien. In Wielkie Oczy wird der junge eifrige Chassid durch Tarier gefördert und für die Haskala gewonnen. 1816 kam Erter als Privatlehrer nach Lemberg, das er aber bald als eine der Leuchten der galizischen Haskala infolge des Orensteinschen Cherem, der ihn um seine Stellung brachte, mit Brody vertauschen mußte. Hier lebte er bis 1823 als Hauslehrer der reichen Brody er Maskilim und als zeitweiliger Leiter der dortigen israelitischen Realschule. Im selben Jahre reiste der 32 jährige nach Pest, um Medizin zu studieren. Während des Studiums (1823—1829) wurde seine Familie von Tarier und von Erters Brodyer Gönnern erhalten. Die Zeit von 1829 bis zu seinem 1851 erfolgten Tode brachte Erter als allgemein geliebter und geschätzter praktischer Arzt in Brody zu, beteiligte sich aber auch rege an allen jüdischen Angelegenheiten. Im Jahre 1847 weilte er bei seiner verheirateten Tochter in Bialaja Cerkiew in Rußland. Er erhielt sich dort von seiner Praxis und war der Mittelpunkt der Bestrebungen sämtlicher Maskilim der Umgebung. Da seine Praxis sich immer mehr verminderte, beschloß er Anfang 1851 mit Jehosua Heschel Schorr eine Zeitschrift ,,Hacholez“ zu gründen. Er sollte aber nicht einmal den Prolog T o 1 d o t Hacholez vollenden. Das von ihm begonnene Werk aber überlebte ihn viele Jahre; .es wurde in den ersten Jahren .in seinem Geiste und in seinem Stile redigiert und wurde bald das gediegenste und konsequenteste Organ der galizischen Haskala. Erters Lebens werk bilden 6 satirische Aufsätze, die von 1823—1851 in den Zeitschriften ,,Bikkure ha-Itim,“ ,,Kerem-Chemed“ und ,,Hacholez“ erschienen sind. Die von seinem Freund Meir Letteris veranstaltete Gesamtausgabe (Wien 1858) macht nicht mehr als ein schmächtiges Bändchen von 123 Seiten aus, das außer den zu Erters Lebzeiten erschienenen Aufsätzen noch einige Briefe enthält. Erter konnte sich eben im Feilen und Ausbessern nie genüg tun. Das wenige aber, was er uns hinterlassen hat, der kostbarste Schatz der galizischen Haskala, ist eines der wenigen Standard works der jüdischen Literatur. Erter selbst plante für seine Schriften den Gesamtnamen ״Hazofe“, der Beobachter. Er schrieb auch für die künftige Gesamtausgabe einen Prolog ״Tchunot Hazofe“. In diesem Aufsatze, dem ein Motto aus Ezechiel (317): ,,Ben Adam Zofeh n’taticha le-Bet Israel“ vorangesetzt ist, stellt sich Erter sowohl in Gegensatz zu den Propheten, die als Volkslehrer und Tröster auch vor Tyrannenübermacht nicht zurückschreckten, als auch zu den Zaddikim, die mit jedem Atemzug Engel schüfen und Gottes Herrschaft an sich. gerissen hätten, als einfacher Zofe vor, dessen Aufgabe es sei, Welt und Naturgang zu betrachten und alles was ihm dabei begegne, seinem Volke zu verkünden, um es :zu belehren. Fast alle Aufsätze Erters haben die Form einer Vision. Ghason Lajil ist auch der Untertitel von Erters erster Satire: Mosne