Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Medizin im Sohar
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829951-2829954-2834441--48182-2834547- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
183 "hehre Bart des heiligen Alten leitet das שפע vom אריך אנפץ zum ועיר אנפץ, ist ־unsichtbar und unfaßbar (der Sohar findet nicht genug Worte hierzu, III130 b unten), wird aber gleichwohl in weitschweifigster Weise mystisch beschrieben. Es ist das dunkelste Stück des Sohars, oder auch das hellste, wenn man sich nämlich, wie billig, nichts weiter dabei denkt. Es werden da Fragen erörtert, wie, warum die Kopfhaare lang und weich, die Barthaare aber kurz und hart seien usw., also wahrhaftige Haarspaltereien, wie sie eben eine Eigenheit der Araber waren, die z. B. sehr tief nachforschten, warum auf der Nasenspitze kein Bart wachse (Hyrtl XX). Uebrigens ist theosophische Teleologie der Behaarung auch anderwärts getrieben worden (s. Sprengel I 383—4). Tod: Beim Sterben nimmt der רוח Abschied von jedem Gliede, wie ein Mensch, der eine lange Reise vorhat, von seinen Freunden. Eas Glied da erzittert, wird von Schweiß befallen und stirbt sofort; :zu allerletzt das Herz, III 126 b (s. Hyrtl XIX). Jakob wurde der Balsam über dem Nabel verstrichen, von wo er ins Innere drang, I 251 a. Riesige Knochen wurden in einer tiefen Bergesschlucht gefunden und :als Ueberreste von Riesenmenschen aus der Zeit der Sintflut gedeutet, I 62 a. Therapie: Da ist der Sohar wider Erwarten durchaus rationell. Heilung mittels Mystik, Gottesnamen usw. ist strenge verboten, III 296a. Südwind bringt Heilung, III 204 a. Auch Heliotherapie wird betont, aber ganz in mystischem Sinne, und merkwürdigerweise der schöne Spruch des R. Simon ben Jochai von baba bath. 16b nicht gebracht. Gelbsucht und קספדרין? werden durch einen Stahlspiegel geheilt, dessen Strahlen den Körper durchdringen, gleich den Strahlen der Kometen, die ebenfalls heilend wirken. Vermutlich ist hier Magnet- oder Meteoreisen gemeint, II 171 b. Gegen unerwünschte Neben- Wirkungen des Weines werden Aepfel empfohlen, III 40 a; von Muwaffak (11. Jh.) aber gegen Wein, von dem eine Schlange getrunken hat (R. Robert, Medizinische Studien, 3. Band, unter ״Tapuach“). Aderlaß1: (alles nach dem R. M.) zunächst am rechten Arme; dem fehlt zwar nichts, er muß aber, wie der Fromme, für die Gesamtheit büßen; und seine Wunde bringt uns Heil, Jes 535. Also wird, so oft Nationen krank, Israel zur Ader gelassen. Verschlimmert sich aber die Krankheit (von der Milz), dann am linken Arme, näher zum Herzen; ja, wenn nötig auch an beiden und schlimmsten Falles gar am Kopfe, III 218a, b. III 192b wieder wird von örtlicher Entziehung des schlechten Blutes gesprochen. Bemerkt sei, daß die Araber es waren, die so munitiös beim Aderlässe vorgingen. im Vers ימצאהו בארץ מדבר ובתוהו ילל ישמן יסבבנהו יכוננהו יצרנהו כאישון עינו (Deut 3210) handelt es sich natürlich um den Kranken, der da einsam, hilflos und verlassen, wie in der Wüste. Krankheit ist immer eine Strafe Gottes. Da könnte der Arzt meinen, er dürfe Gottes Willen nicht durchkreuzen: oh nein! heißt es doch אשרי משכיל אל דל Ps 4r2, und der ärmste der Armen ist immer der Kranke. Also (פיכה יפככנהו Ursache) suche er die nähere Ursache der 1 H a e s e r, I, S. 60 schreibt, daß die Juden den vierten Teil des Blutes :zu entziehen pflegten (רביעית הדם!); arges Mißverständnis.