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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 2 · p. Seite 175

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 2
Article
Die Medizin im Sohar
Date
1928-01-01
Page
Seite 175 (sequence 9)
Language
German
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175 da die Vernunft aus dem Herzen in die Glieder gefahren. Ent- Wicklung des Geistes gibt es nur beim Menschen; darum heißt es auch, wenn ein Ochs usw. geboren wird, Lev 2227, und nicht Kalb — weil er eben g e i s t i g als vollendeter Ochse geboren wird, III 91 b. Anatomie und Physiologie: Um Wiederholungen vorzubeugen, sei zunächst in knappen Umrissen die Physiologie dargestellt, wie sie sich eben aus dem Sohar ergibt. Dermalen wird im Organismus mittelst der Atemluft alles verbrannt und dadurch Wärme erzeugt; dazumal aber wurde durch die eingepflanzte Wärme אש יסודי alles gekocht (gereift) und die Atemluft diente zur Kühlung, damit da nicht des Guten zuviel geschehe. Die Speisen werden im Magen zermahlen und verdaut und gelangen als äußerst feiner flüssiger Brei in die Leber, die in ihren Adern1 Blut daraus kocht2. Je nach dem Grade der Kochung entstehen da nebenbei auch 4 Gallen3, die mit dem Blute vermischt durch 70 Venen (70 Völker) allen Teilen des Körpers und auch der Lunge! zugeführt werden, wobei überall nur das eben nötige abgesetzt wird. Drüsen als selbständige chemische Werkstätten kannte man nicht; die Leber war sozusagen eine innersekretorische Universaldrüse. Alle normalen und pathologischen Sekrete sind demnach bloß ausgeschiedene Gallen. Abfallsprodukte der Kochung gelangen in die Milz, namentlich zu stark gekochtes, schwarzes Blut und erdige Bestandteile. Krankheiten entstehen durch schlechte Blutmischung, also durchwegs von der Leber, oder gar von der Milz, III 231 b (R. M.). Die Leber bietet ihr Blut zunächst dem Herzen an, doch dieses nimmt nur sehr weniges und nur das Allerfeinste an4. Denn Gallen wären sein augenblicklicher Tod (Tik. 102 b). Den Lebensgeist erhält jeder Teil des Körpers vom linken Herzen (Norden, Feuer), welches auch alle Krankheiten heilt, es sei denn, daß es selbst erkrankt. Das Herz würde aber den Organismus verbrennen, wenn es von den Lungenflügeln (ככפים) nicht stetig Kühle zugefächelt bekäme, d. h. Luft (לוחין דאוילא) gelangt durch die Lungenvenen ins linke Herzohr5 (Tik 58 a) und mittelst der Arterien in alle Fugen des Körpers. Auf demselben aber umgekehrtem Wege werden alle im Körper gebildeten schädlichen Dünste (Rauch צשן, bei Galenus lignys) ins Herz und von da. zur Luftröhre befördert bzw. ausgeatmet. Dieser Galenische Rauch ist von hoher mystischer Bedeutung. Bei Avicenna heißt es אד, und R. M. III 28 b zitiert denn auch Gen 26! was er mit wie Targum und R a s c h i, und mit עשן, wie Ibn Ezra, wiedergibt; 1 So hat es auch Maimonides (h. schechita VI, 8); demgemäß achtete er diese Adern so hoch, daß er minimale Perforation derselben für trepha erklärte, was aber von sämtlichen Autoren zurückgewiesen wird. 2 ,,Die Quelle des Blutes ist die Leber“, Bechor. 55a. חד פריש להבדא• (Chul. 45 a) bedeutet also zweifellos die Lungenschlagader, nicht aber Aorta, wie Kazenelson und P r e u ß glauben. 3 Diese 4 Gallen werden von Emden als medizinische Theorie beanstandet; K u n i t z e r aber verweist mit Recht auf Sota 5 a אפר אדם דם מרה; vergl. auch Raschi das. 4 Vergl. Tosafot Sota 5 a s. v.אדם שאין; Raschi aber, korrekt wie immer,, will nichts davon wissen. 5 Nach Hyrtl XLI u. S. 4 Arabismus, wobei aber zu bedenken, daß die- Araber die griechische Medizin durch jüdische Uebersetzer kennen gelernt haben..

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