Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Medizin im Sohar
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 8)
- Language
- German
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174 in innigster Verbindung mit dem Gehirn steht, dem es das Feinste seines Eigenblutes zur Bereitung besagter 3 Tropfen zukommen läßt.. Diesen 3 Seelen entsprechen חכמה בינהדעת, III 29 b, also Weisheit Ethik, Geist Kunst und Wissenschaft, und vegetatives, zur Selbsterhaltung eben notwendiges Wissen (Erfahrung). Diese Lehre‘ wird auch auf die obere Welt (Weltenseele) bezogen: in der Schädelhöhle (des זעיר אנפין) befinden sich 3 Höhlen (Kammern), in denen, das Gehirn ruht, und eine zarte (דקיק) Hülle bedeckt sie, nicht aber eine harte (קשישא), ringsum verschlossene, wie beim höchsten Weltenhaupte1. Jede dieser Höhlen spaltet sich nach unten, und es ziehen aus der einen 32 Bahnen der Weisheit, aus der zweiten Verstand בינה aus der dritten Wissen דעת, verbreiten sich im ganzen Körper und erfüllen alle seine Fugen, 111136 a, Idra rabba; d. h. Gott erfüllt die Welt und alle Fugen des Körpers gehorchen den Impulsen des. Gehirns2. R. Simon Ben-Jocli a נ sagt: Es gibt Menschensöhne,, die da sprechen mit Bewegungen der Augen, der Hände, des Kopfes,, des Körpers oder gar der Füße, je nachdem, wo ihre Seele wohnt,, die dann diese Bewegungen auslöst. Auf den'Einwurf seines Sohnes׳ R. Eleasar, die Seele habe doch ihren bestimmten Sitz im Herzen, meinte der Vater, es heißt ja und wegen euerer Sünden wurde euere* Mutter weggeschickt, Jes 50; d. h. durch Sünden wird die Seele aus ihrem-Wohnort verjagt, in die Glieder getrieben und kann so von. Stufe zu Stufe bis in die Füße sinken, Tik. 232 b. Der Sinn mag folgender sein:, die Vernunft בינה sitzt im Herzen und wird Mutter־ genannt, Prov 23. Als solche ist sie (בינ״ה zwischen3) ein Zwischenstück zwischen Vater הכבה und Sohn דעת, eine Vermittlerin zwischen, den allzuhohen Forderungen der Weisheit und denen des alltäglichen: praktischen Lebens. Also je weniger Vernunft, desto mehr und. häßlichere Gesten, was dann wirklich den Anschein erweckt, als wäre 1 Es entspricht dem grob anatomisch ringsumverschlossenen Subdurak raum (zwischen harter und weicher Hirnhaut), in den die Jezira־Erklärer die נשמה verlegen. 2 Die Lehre von der Lokalisation der Seelenkräfte,T in den 3 Hirn- Ventrikeln gehört ausschließlich dem Mittelalter an. Die erste (vorderste) Kammer wurde cellula phantastica oder imaginativa, die zweite logistica oder cogitativa und die dritte (hinterste) memoralis genannt. So hat es zuerst der Bischof von Emesa, N e m e s i 0 s und Posidonios, (4. Jh.) dann Augustinus, Razes, die lauteren Brüder, Avicenna,. Ihn Roschd usw. Und eben diese Lehre wird in den heiligsten Stücken des Sohars, in den beiden ״Kammern“ ־— aber auch nur in diesen! — mystisch ausgebeutet (Ventrikel- und Liquormystik). S. hierüber W. S u dhoff: ,,Die Lehre von den Hirnven tri kein“. Arch. f. Geschichte d. Medizin Bd. VII und J. Leyacker ibid. Bd. XIX. Auf alles konnte der Verfasser des Sohars bedacht sein, nur darauf nicht, daß es einst eine Geschichte der Medizin geben werde. — Noch Sömmering wollte die Seele in die Ventrikelflüssigkeit verlegen, was aber Kant ablehnte, weil diese zu strukturlos sei, um so ein kompliziertes Ding, wie die Seele zu beherbergen. (Luigi Luciani, Physiologie des Menschen, deutsche Ueber- Setzung III, S. 549). Die Jezira-Erklärer aber meinen, daß der Liquor ein feines Fluidum zwischen Wasser und Luft, und weil er selbst keine Gestalt besitzt, eben deshalb geeignet sei, alle Formen anzunehmen und als Sitz der Seele zu dienen. 3 Dies hat schon Ihn Esra (Exod 313); vergl. aber das. Raschl! wie auch Sabb. 31a דעת עדיף מחכמה.