Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Medizin im Sohar
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829951-2829954-2834441--48172-2834537- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
173 Aderlasses usw, aus ihr zu schöpfen — dazu gehört schon ein solches Maß exegetischer Kühnheit, wie es weder vor noch nach dem R. M. jemals aufgebracht worden ist. Die moralische Möglichkeit einer derartigen Mystik und Exegese war wohl erst dann gegeben, als die Galen ischen Lehren zu Dogmen erstarrt, in weitesten Kreisen des Judentums bekannt und von einer überragenden ärztliehen und theologischen Autorität sanktioniert und fast religiösen Wahrheiten gleichgestellt waren, also erst — nach Maimonides1. Und so führen medizinische Erwägungen zu denselben Ergebnissen, die bisher von der Philologie erbracht worden sind. Die Seele besteht aus »2נפש *רוח ,נשמד, die, topisch und funktionell einander übergeordnet, eine Einheit bilden, gleich der dreiteiligen Flamme, wo der nach oben strebende, kaum sichtbare, aber heißeste Mantel der נשמה entspricht, I 83 b. Letztere ist eigentlich ein rein mystischer Begriff und kann zur Not Ethik, Moral bedeuten3, das einzig Göttliche im Menschen, das unmittelbar zu Gott wieder zurückkehrt, II 141 b. Damit erhält auch die mystische Zugabeseele נשמה יתירה am Sabbat einigen Sinn, wie auch die Angabe, daß die נשמה während des Schlafes entfliehe, denn im Traume ist ja niemand Ethiker. Man erhält sie erst nach dem 13. Lebensjahre und auch dann nur, wenn man dazu würdig ist, I 62 a. Sie und der Schatten verlassen 30 Tage vor dem Tode den Körper, I 217 b. רוח sensomotorische Seele, das geistige Leben mitinbegriffen; bei der Zweideutigkeit dieses Wortes heißt es aber in erster Reihe, gleichwie »נשמד, Lebensodem, Pneuma (s. Chagiga 12 b, R a s c h i s. v. .(ורוחות ונשמות נפש Lebewesen Vitalismus überhaupt, oder Gewebs- bzw. Zellenleben, welches den Körper aufbaut und ernährt, I 83 b, II142 a, den Tod überdauert (so ist es!) und mit dem Körper im Grabe bis zur völligen Verwesung vereint bleibt, 141 b. Sitz der Seelen: Es war für das Mittelalter ein unerträglicher Gedanke, die Seele in einer schmierigen, blutleeren und noch dazu gefühllosen4! Masse zu suchen; also verlegte man sie in die Hirnhäute bzw. in den Liquor der drei Kammern, Prov 244. Was unter Kammern zu verstehen, ist im Sohar nicht immer klar; wahrscheinlich sind die inneren Kammern gemeint und nicht der Raum zwischen harter und weicher Hirnhaut5. Die vordere Kammer birgt die Vorstellung דמיון, die mittlere das Denken מחשבה und die hintere das Erinnern וכדון. Diesen Kammern entstammen die mystischen 3 Tropfen י י י, wodurch die Vererbung der Geistesfähigkeiten erklärt wird III 247 b (R. M.). רוח als Lebensodem hat in der Lunge seinen Sitz. נפש als Lebensquelle ist im Herzen eingepflanzt, Tik. 202 a, welches aber 1 Das gilt alles nur von R. M. und Tikkunim!! Und daß die jung sind und nach-maimonidisch, schreit ja aus jeder Zeile. Sch. 2 Aus Ber. 10 a geht hervor, daß alle 3 eins und dasselbe. 3 Werden bei Franck S. 168 und Joel S. 128 anders erklärt. 4 Die Substanz des Gehirns und der Lunge ist unempfindlich. Das wußten schon auch die Alten. Also haben diese Organe im Innern nur נפש und ist demgemäß innerer Substanz Verlust ־ belanglos. Trepha ist nur Perforation des empfindlichen Ueberzuges (קרום), bezw. unter gewissen Be^ dingungen auch die der empfindlichen Broncnien. 5 136a, 138 a, b, 293 a, wird ausdrücklich von 3 Höhlen des Gehirns gesprochen und 227 b R. M. von Kammern אדדין ד&וחא.