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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 2 · p. Seite 171

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 2
Article
Die Medizin im Sohar
Date
1928-01-01
Page
Seite 171 (sequence 5)
Language
German
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171 :gemein gesagt, werden durch das Erstarren flüssiger, also auch geschmolzener, Körper allemal minderwertige Einschlüsse d. h. fremdartige Bestandteile ausgeschieden, und da Kochen und Schmelzen *durch Feuer bewirkt wird, so ist letzten Endes dieses das eigentliche läuternde Element. Alles ist, wie man sich sehr richtig dachte, irgendeinmal durch Kristallisation oder Gerinnung entstanden1, also hat auch alles seine Suspita, oder ist gar selber eine. Ja der Schöpfungs-־ akt selbst war eine Art Kristallisation des Unendlichen (סול הצמצום); dabei wurde der Himmel (Luft, Wasser und Feuer) geschaffen und als Suspita — die Erde abgesetzt (I 30 a, II 167 b)2. Die Erde wäre darnach bloß ein passives Abfallsprodukt des Himmels, und es heißt denn auch, sie sei mit der linken Hand erschaffen worden (II 20a, Jes 4813). Den 7 Himmeln entsprechen, je nach Qualität, ebenso viele Suspita d. h. 7 Erden, die gleichfalls zwiebelschalenartig übereinander liegen und durch je einen Himmel voneinander geschieden sind. Die oberste beste wird natürlich von Menschen bewohnt, die unteren hingegen von abenteuerlichen wüsten Geschöpfen3. Alle diese Erden drehen sich — wie R. H a m n u n a sagt — im Kreise wie eine Scheibe (nicht Kugel!), die einen (Erden!) oben, die anderen unten und so kommt es, daß zu gleicher Zeit die eine (Erde!) Tag hat, die andere aber Nacht; ja es gibt sogar einen Ort (oder Erde!), wo es nur eine kleine Stunde lang Nacht ist, III 10 a4. Ein verwandtes Motiv: die Lehre von den Schalen קליפות, die allem Guten anhaften, spielt im Sohar nur eine untergeordnete Rolle und ist erst später zur vollen Blüte gelangt5. Zur größten mystischen Bedeutung gelangt da natürlich die Nuß, denn die hat gar, gleich dem Gehirn, der Schalen drei: eine äußere halbweiche, 1 Auch der Mensch entsteht nach dem Sohar durch Gerinnung des Sperma; vergl. Koran, Sure 96, ,,Das geronnene Blut.“ 2 Ob dies in den betreffenden Soharstellen steht, ist zum mindesten :unentschieden. I, 30 a ist der Wortlaut völlig unverständlich und II, 167 b wird nicht die Erde als x\bfalls produkt des Himmels bezeichnet, sondern die dämonischen מים עכורים דמנהון אתעביד פסולת מקטרגא לכל עלמא: als aus den ,,oberen Wassern“, die gerannen, der Himmel sich herauskristalli- :sierte (אבריר גופא), blieben als Abfall die ״trüben Wasser“, die dunkeln Kräfte, die die Welt bedrängen, übrig. Von der Erde ist an der ganzen Stelle nirgends die Rede. Sch. 3 Gleichwie die unteren 6 Himmel Engel mit 2—6 Flügeln und An- Hitzen beherbergen, ebenso haben die unteren 6 Erden kurzlebige Geschöpfe mit 1—4 Köpfen, weil sie eben nicht von Adam stammen, sondern durch die Dünste der Erde (putrefactio) von selbst entstehen (mit vielen Heuptern, weil sie nit jhre Eltern haben, wie Paracelsus schreibt). Es erinnert an die Aschmodai-Sage, aber noch mehr an die alchemistische Homunkellehre: s. H. Silberer Imago 1914, S. 47. 4 Dieses viel zitierte Stück wird seit Emden, der es als moderne Lehre beanstandet hatte, immer wieder auf Umdrehung der kugelförmigen Erde und Antipoden gedeutet. Bei genauer Durchsicht ist aber garnichts davon zu finden. Nebenbei sei erwähnt, daß nach B o t a r e 1 und A 1 d a b i der Südpol unbewohnt, wegen der Hitze! Dem widerspricht aber Emden 19 b und meint, daß beide Pole צפון verborgen, unnahbar heißen. 5 Das ist historisch nicht richtig: zum mindesten die Generation, in der der Sohar veröffentlicht wurde, kannte die Lehre von den קליפות in schon voll entwickelter Form, besonders z. B. Joseph Oikatilia. ־ Aber sie läßt sich auch schon in vielen älteren Texten nachweisen. Sch. Ueber ihren Ursprung vgl. Goldziher REJ 1905, 35 1. H.

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