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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 2 · p. Seite 170

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 2
Article
Die Medizin im Sohar
Date
1928-01-01
Page
Seite 170 (sequence 4)
Language
German
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170 der Medizin strenge durchgeführt wird. Nebenbei aber hat es den Sohar in den höchst ungerechten Verruf, er lehre die Dreifaltigkeit im christlichen Sinne, gebracht. Das gegebene hehrste Mysterium der Natur — die Erhaltung der Art durch Vereinigung der sexuellen Gegensätze, was den von oben, vom Gehirn1 kommenden Segen erschließt — wird vom Sohar sozusagen in den Himmel gehoben und sehr sinnig auch auf die obere Welt bezogen. Diese mystisch angewandte Hippokratische Lehre ist eines seiner wichtigsten Leitmotive, wird unzähligemale wiederholt, hat ihm aber, wie zu erwarten, den (unbegründeten) Vorwurf einer grobsinnlichen Erotik ־zugezogen. In der oberen Welt wird die Vereinigung der Gegensätze, namentlich der Strenge mit der Milde, durch die mystische Region und Kraft des ״Frommen“ צדיק vermittelt, und dadurch der vom höchsten Gehirn kommende weltbefruchtende himmlische Tau (liquor cerebri), der Gnadenstrom in Fluß gebracht, hinabgeleitet und, zur Manna geronnen, im יסוד Erde abgesetzt. Durch Sünden hingegen wird der himmlische Zwiespalt verschärft und — der Gnadenstrom versiegt. Die Lehre von den Scharten פגימות,, die in der oberen Welt durch Sünden entstehen, ist im Sohar nur angedeutet und erst später voll entwickelt worden2. Vollkommenes gibt es nur in der oberen Welt. Hier unten aber hat alles seinen Abguß התוכא, Abhub, Abschaum, Abfall, Auswurf, Schmutz זוהמא, Ausschwitzung, Exkrete, Schlacken, Faules 3פופפ״תא, After, Talmi, Trug״ und Zerrbild. Damit wird man wohl allen Schattierungen dieser nur dem Sohar eigenen Begriffe gerecht. Dieses Grundmotiv des Sohars ist ein rein chemisches; es umfaßt die Welt der Kristalloide und die der Kolloide (Gerinnung), mithin das gesamte Universum. Nach vollendeter Kristallisation oder Gerinnung verbleibt stets ein flüssiger Rest, der abgegossen wird, und dieser Abguß התוכא birgt die זוהמא ,פםולת und סוספיתא in sich4. All- 1 Avicenna schreibt: Hippokrates dixit plurimum spermatis ex cerebro est (H y r t i 'S. 230) s. auch Hippokrates übers, v. Fuchs I. s. 135, 400. Im Sohar heißt es: ג' טפין דאתמשכו מן מוחא לגבי ברית מילה (Tik 41a), oder לגבי אפיקי מים (das. 192 b), oder לגבי צדיק (das. 61b; s. auch das. 200—1. Scholem, Buch Bahir S. 111 u. 168. 2 (Doch eigentlich nicht: die ganze detaillierte Halachasymbolik der späteren Teile, des R. M. und der Tikkunim, beruht auf der Idee, daß das Unterlassen bezw. Aus üben gewisser Handlungen die Maschinerie der Merkaba an bestimmten Stellen verletzt, und schon Re kan ati kennt ■die Lehre in voller Entwicklung. Sch.) 3 Ueber diese Ausdrücke siehe eingehend G. Scholems Arbeit: ״Alkhemie und Kabbala“ MGWJ 1925, 13 ff., die den eigentlichen Anstoß zu vorliegendem Aufsatz gegeben hat; denn damit war ja in weiterem Sinne schon die Fragestellung gegeben: was kommt überhaupt von naturwissen־ schaftlichen Dingen im Sohar vor? Ueber סוספיתא s. auch R. Eisler (ebd. S. 364), wonach das Wort סוסיפתא zu lesen ist und Fäulnis bedeutet, dem sich auch Scholem (ebd. S. 371) angeschlossen hat, s. auch זפטא דכפפא) III 101 b oben), was der Sohar selbst mit סיגים und ווהמא übersetzt, oder in ähnlichem Sinne זיפחא I 49 b, was vom דרך .אמת auf ופת oder *זיוף bezogen wird. 4 Es heißt II 167 b ganz klar: אקדיש ההוד. לחותא ראכגיד ואשתאר ההוא פסולת דנופא דהוה גו אינון מים, dann ואשתאד ההוד. פסולת דקא אתעביד גו החובה, dann לבתר כד נחתו איבון מים ואתהתכו לתתא; nun ist aber סוספיחא פסולת זוהמא =.

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