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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 2 · p. Seite 147

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 2
Article
Neuere Literatur zur Geschichte der gaonäischen Zeit [Rezension]
Date
1928-01-01
Page
Seite 147 (sequence 5)
Language
German
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147 und Interventionsgesuche gerichtet wurden. Aber eins ist doch zu beachten und von Mann mit Recht hervorgehoben worden (I, 151). In all den zahlreichen Schreiben, welche mit den palästinischen Geonim Zusammenhängen, ist niemals eine gelehrte Abhandlung oder auch nur ein Gutachten dieser Männer erwähnt. Sie mögen persönlich sehr gelehrt gewesen sein, auf die Nachwelt ist nichts von ihnen gekommen. Es ist kein Wunder, daß sie so lange völlig vergessen waren, die Geschichte hat sich hier als das Gericht erwiesen. Wenn uns aber auch die neuen Nachrichten vielfach in die Niederungendes Lebens führen, als Geschichtsquellen sind sie von hohem Wert. Wir gewinnen Einblicke in die inneren Verhältnisse der Gemein־ den Palästinas, Syriens und Aegyptens, in die Reibungen zwischen Rabbaniten und Karäern, in die Rivalitäten zwischen Gemeinden und deren Führer u. a. m. Vor allem aber gewinnen wir vielfach Einblicke in das tägliche Leben und Treiben, in die Nöte, welche den Durchschnittsmenschen plagten. Und als Kehrseite all dieses Jammerns und Betteins lernen wir eine bewundernswerte Hilfs- Bereitschaft seitens der Vermögenden und Einflußreichen kennen; insbesondere diejenigen Juden, welche am Sitz der Regierungs־ behörden leben und auf deren Maßnahmen Einfluß ausüben können, sind unablässig um die Erleichterung des Loses ihrer gequälten Brüder bemüht. Wir begegnen auch einigen Männern von besonderer Prägung, die Monographien verdienten. Da ist z. B. Elchanan b. Schemarja in Fustat, das Plaupt der von seinem Vater, einem der ,,vier Gefangenen“, gegründeten Schule, ein vielgereister, tat־ kräftiger Mann, der von seinen Freunden auswärts oft um Inter־ vention angegangen wird und, wie aus den ihm gespendeten reichen Lobeserhebungen hervorgeht, sich um sie stets und häufig mit Erfolg bemüht (I, 34 ff., 71). Eine besonders bemerkenswerte Gestalt ist Ephraim b. Schemarja, ,,ein Mann von Geduld, Nachgiebigkeit und glühendem Eifer für die Erledigung öffentlicher Angelegenheiten“ (II, 128). Er stammte aus Gaza, war aber seit 1020 ,,Chawer“ der palästinischen Gemeinde in Fustat, bekleidete also ein richterliches Amt, das vielleicht auch die einträgliche Marktpolizei einschloß (I, 265, 128) und hatte das Amt sicher noch einige Jahre nach 1051 inne1. An ihn nun treten Bittgesuche der verschiedensten Art heran. Er muß helfen, wenn es sich um Vorstellungen bei der Regierung handelt, sei es daß Abgaben ermäßigt, sei es daß andere Maßnahmen rückgängig gemacht werden sollen. Er muß häufig schlichten, wenn in Gemeinden Streit ausgebrochen ist, muß eingreifen, wenn Ge־ fangene auszulösen sind. In jenen Jahrzehnten, in denen die Sarazenen ihr Unwesen auf dem Meere trieben, war das häufig genug der Fall, man hatte feste Methoden ausgebildet, wie man in solchen Fällen vorging, und erfuhr dnrch die jüdischen Gefangenen vielfach Näheres über das Leben weit entfernter Gemeinden. Auch für die immer in Not befindlichen palästinischen Akademien mußte Ephraim ständig sammeln. All diesen Obliegenheiten widmet er hingebende Geduld und kluge Umsicht, er hat einen weitverbreiteten Ruf, ganze Bündel von Briefen gehen bei ihm ein mit Empfehlungen und Bitten. 1 Nachträge a. a. O. 267 ff. 10*

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