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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 2 · p. Seite 146

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 2
Article
Neuere Literatur zur Geschichte der gaonäischen Zeit [Rezension]
Date
1928-01-01
Page
Seite 146 (sequence 4)
Language
German
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146 sehen Gaon Salomo b. Jehuda1 aufgebaut, und in den Mittelpunkt des vierten die Kämpfe um das palästinische Gaonat nach seinem Tode gestellt! Wir lernen in Salomo* ben Jehuda eine durchaus sympathische Persönlichkeit kennen, deren Tatkraft freilich durch die zahlreichen Nöte der Zeit, durch Uneinigkeit im eigenen Lager und durch die Abhängigkeit von auswärtigen Subsidien gehemmt wird. Auf seine lange Wirksamkeit folgt Daniel b. Asarja2, der wohl aus Babylonien gekommen war, dem dortigen Exilarchengeschlecht entstammte, eine Zeitlang in Fustat gelebt hatte, mit Unterstützung der dortigen ,,palästinischen“ Gemeinde und der fatimidischen Zentralregierung in Jerusalem oder Ramleh zum Gaon ausgerufen war und so die beiden höchsten Würden vereinigte. Er stieß auf die Gegnerschaft der Nachkommen der früheren Geonim, und die erwähnte Ebjatar-Megilla stellt ihn als Usurpator hin. Wir wissen aber jetzt, daß er sich großer Beliebtheit und weitreichenden Einflusses erfreute. ,,Seitdem ich an diese heilige Stätte gekommen bin, führe ich Israel unter dem Beistand Gottes in ganz Palästina und Syrien und sorge für Recht und Gerechtigkeit auch in weit abliegen־ den Gegenden. An allen Orten und Siedlungen werden Gebete für mich vorgetragen, ,die Richter in allen Gemeinden sind von mir mit Vollmachten ausgestattet, niemand sonst hat auch nur den geringsten Einfluß über die kleinste Ortschaft“, so berichtet Daniel selbst über seine Stellung (II, 216). Nach ihm freilich gelangten wieder die alten Geschlechter ins Amt, sein spätgeborener Sohn David zog sich nach Aegypten zurück. Elia Gaon (1062—83), dessen Aufstieg, vom ,,Sechsten in der Hochschule“3 an, uns Mann im einzelnen vorführt, ist derjenige, dem eine Anfrage von Meschullam b. Moses aus Mainz vorlag; Abraham Epstein hat einen Teil seines Gutachtens veröffentlicht (Monatsschrift XLVII, 343 ff.), unser Werk bietet einige Zeilen mehr, die sich aus diesem arg beschädigten Responsum ermitteln ließen (II, 223). Elias Nachfolger Ebjathar war dann genötigt, einen Auflehnungsversuch des David b. Daniel, der ein unabhängiges Gaonat in Aegypten errichten wollte, zurückzuschlagen und hatte Erfolg darin. Von seiner Tätigkeit ist im übrigen wenig bekannt, sie fällt in die unruhige Zeit der Eroberung Jerusalems durch die Seldschucken; die palästinische Akademie mußte damals nach Tyrus auswandem und sich nach der Eroberung dieser Stadt durch die Kreuzfahrer (1110) nach Tripolis in Syrien zurückziehen4. Dort in Syrien, ,,in Hadrak“ (vgl. Secharja 9!), finden wir 1116 den Gaon Salomo, dessen Sohn Mazliach dann schon in Aegypten fungiert. Es ist nicht gerade eine erfreuliche Zeit, in die wir Einblick gewinnen; in den meisten Schriftstücken handelt es sich um Not (politische und materielle) und deren Abhilfe, um Streitigkeiten und deren Schlichtung, häufig um recht armselige und häßliche Vorgänge. Man darf freilich nicht vergessen, daß wir auf rein zufälliges Material angewiesen sind und einseitig solches vorfinden, welches an der Stätte der Regierung einging, wohin alle Klagen, Beschwerden 1 Nachträge das. 271 ff. 2 Nachträge das. 283 ff. 3 Vgl. dazu Jews in Egypt I 272. 4 Nachträge HUG Annual III 288 ff..

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