Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur neuesten Pentateuchliteratur [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 23)
- Language
- German
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138 durch die der Gemeinde, des Gesamtvolkes im Tempel, zum großen Teil verdrängt. Das Schlachtopfer ist z. B. nicht mehr identisch mit dem Schlachten“ (ebd.). Seine Hauptfolgerungen fallen infolgedessen mit dem Wellhausenismus. Aber dafür ist nicht Wendel allein verantwortlich. Wie das lange Literaturverzeichnis am Ende des Buches zeigt, hat man ihn eben nicht gelehrt, die neuen Arbeiten heranzuziehen, die jene Hypothese umgestürzt haben. Was dabei herauskommt, wird gut veranschaulicht durch den zuletzt angeführten Satz. Man beachte, wie er das Verhältnis von Schlachten und Schlacht opfer auf S. 6 auf faßt. Er betrachtet sie als nicht mehr identisch. S. 46 erscheint eine ganz andere Auffassung. ״Vielleicht hat man in ältester, vorgeschichtlicher Zeit in Israel nicht jede Schlachtung rite vollzogen, d. h. den Akt der Tötung und des Blutfließenlassens schon als Opfer empfunden und demgemäß vollzogen. Erst in der späteren Zeit scheint jedes Schlachten ein Opfern geworden zu sein.“ Dagegen lesen wir S. 89: ״Betrachten wir nun das Gemeinschaftsopfer, wie es auf Grund der geschilderten Voraussetzungen im religiösen Leben des alten Israel eine Stelle einnahm. Streng genommen war ja jedes Schlachten ein Gemeinschaftsopfer; ein ausführlich vorgeschriebener Ritus war hierzu nicht erforderlich. Die Gottheit mußte nur ihren Anteil erhalten. Das geschah dadurch, daß man die Schlachtung auf einem beliebigen Feldstein vornahm und das Blut über ihn träufeln ließ. Im Stein erhält der Gott das Blut. Ein besonderer Altar war hierbei noch nicht nötig. Das Opfer bestand nur in der besonderen Art der Schlachtung des Tieres.“ Und S. 101: ״Wenn, wie gesagt, eine profane Schlachtung nicht denkbar war.“ Der Raumersparnis halber wollen wir uns auf die eine Frage der Gleichsetzung von Schlachten und Opfern beschränken, ohne Rücksicht auf die anderen Gegenstände, die in diesen Stellen berührt werden. Man kann den Standpunkt verstehen, daß die beiden ursprünglich identisch waren und dann unterschieden wurden, ebenso auch den, daß sie ursprünglich zwei verschiedene Dinge waren und dann identifiziert wurden; nicht zu begreifen aber ist, wie man auf der einen Seite die eine Ansicht Vorbringen kann und auf der andern die entgegengesetzte. S. 25 weiß Vf. überdies, daß Trauerbrot unrein macht und daß ein Opfer in diesem Falle nicht in Frage kommen kann. Dennoch ist sein Beleg Hos 94, also ein Prophet, der zu einer Zeit schrieb, wo nach S. 101 ״eine profane Schlachtung nicht denkbar war.“ Wir haben somit hier zwei einander widersprechende Theorien über die Angelegenheit, die beide falsch sind, und ein teilweises Erkennen der Tatsachen, das auf die richtige Ansicht deutet. Aber nur teilweise. Der größere Teil der Tatsachen ist ihm gänzlich unbekannt. Sie brauchen uns hier nicht aufzuhalten, da sie erst vor kurzem in der MGWJ ausführlich untersucht worden sind1. Wender wäre auf sie gestoßen, wenn er die einschlägige Literatur studiert hätte, denn sie sind in vielen Büchern und Artikeln dargelegt. Es genügt der Hinweis auf W. Möller, Rückbeziehungen, 1925, 83; M. Löhr, Das Deuteronomium, 1925, 200 f.; Th. Oestreicher, Das deuteronomische 1 S. MWGJ 1927, S. 353—7.