Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur neuesten Pentateuchliteratur [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 22)
- Language
- German
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137 In einem besonderen Abschnitt erörtert Löhr die literarkritischen Konsequenzen. Hierzu mag eines hinzugefügt werden. Es wurde von seiten der radikalen Schule behauptet, daß der vermeintliche P bis auf einen halben Vers durch das, was sie die ,,literarische'‘ Methode nannte, herauszuerkennen sei. Jetzt wird zugegeben, daß Teile davon vielleicht auf Mose zurückgehen. Haben diese Forscher je bedacht, was es bedeutet, daß von Mose bis Esra, d. h. während einer Zeit von dreiviertel Jahrtausend eine Geschichtsschreiberschule bestanden haben soll, deren Werk eine so ausgeprägte Eigenart hatte, daß kein einziger ihrer Sätze für den eines andern gehalten werden konnte, noch ein einziger Satz eines andern für den ihren? Ist das nicht für jeden Menschen mit Wirklichkeitssinn die reductio ad absurdum ihrer ganzen Stellungnahme? Erfreulicherweise darf man hinzufügen, daß diese Monographie schon einen Einfluß zugunsten besonnenerer Anschauungen ausgeübt zu haben scheint. Wie alle Arbeiten Löhrs enthält sie viele weiterweisende und anregende Beobachtungen, und trotz ihres kleinen Umfangs sollte sie nicht von denen übersehen werden, die am Problem des Pentateuch arbeiten. Ueber das Buch Wendeis (Veröffentlichungen des Forschungsinstituts für vergleichende Religionsgeschichte an der Universität Leipzig, hersg. v. Prof. Dr. Hans Haas. Das Opfer in der israelitischen Religion v. Dr. theol. Adolf Wendel, Leipzig, Verlag Eduard Pfeiffer, 1927, VIII u. 238 S.) zu schreiben, ist für einen Rezensenten keine leichte Aufgabe. Es ist die Arbeit eines Anfängers, und man würde am liebsten einfach auf seine offenkundigen Mängel hin weisen und es mit ein paar Zeilen abtun; aber der Gegenstand ist von Bedeutung, und die Heidelberger theologische Fakultät sowie das Leipziger Forschungsinstitut für vergleichende• Religionswissenschaft haben bei dem Werke Pate gestanden. So wird es wahrscheinlich einen weitreichenden Einfluß auf künftige Veröffentlichungen ausüben. Und doch ist es nicht nur schlecht, sondern ganz außergewöhnlich schlecht; und der Rezensent, der es unterließe, seinen Lesern die Wahrheit darüber zu sagen, würde sich einer schweren Pflichtvergessenheit schuldig machen. Es wäre jedoch höchst ungerecht, die ganze Last des Vorwurfs oder selbst den größten Teil auf Wendel zu häufen. Er hat in weitem Maße für־ die Schuld anderer büßen müssen. Eine ehrliche Kritik seines Werkes, schreiben bedeutet, die geistige Einstellung anklagen, für die es symptomatisch ist. Das Buch ist zugegebenermaßen vom Standpunkt der unhaltbaren Wellhausenschen Hypothese über die Geschichte Israels und die Komposition des Pentateuch geschrieben. ,,Unter der }a 11 - israelitischen' Religion ist die Zeit von der ältesten quellengemäß zu behandelnden Volksreligion an bis zum Untergang des Staates gemeint, also die Zeit von etwa 900 bis etwa 600 v. Chr.'* (S. 6.) ,,Die zeitliche Abgrenzung der alten Religion des Volkes gegenüber der im Deuteronomium geforderten und erst recht der im Priesterkodex vorausgesetzten Opferpraxis hat ein starkes Recht. Denn die alte völlige Freiheit wird durch Katalogisierung, die Opfer der Einzelnen und Familien werden