Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur neuesten Pentateuchliteratur [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 9)
- Language
- German
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124 das dieser Segen Bezug nimmt, mit ihrer Anwesenheit dort unvereinbar sein kann. 2. Der Segen Reubens nimmt Bezug auf die Tat eines Einzel- Wesens, nicht eines Stammes. Wie Procksch selber schreibt: ,,Rüben hat Blutschande begangen, die nun und nimmer nach althebräischem Recht erlaubt war/‘ (S. 274.) Nichts berechtigt also hier zu der Hypothese, daß Reuben ein Stamm gewesen sei, der vom Westen des Jordan nach dem Osten getrieben wurde. Das schon besprochene Beweismaterial zeigt, daß Reuben nach Aegypten ging und daß es Reubeniten bei Mose in der Wüste gab. 3. Es ist richtig, daß wir Jos 15ß, 1817 einen Grenzstein antreffen, der der Stein des Bohan, des Sohnes Reubens, genannt wird: aber weder hier noch sonstwo steht auch nur eine Silbe, die den Ursprung des Namens erklärt. Daß Bohan der Sohn Reubens und Bilhas war, ist eine Vermutung. Daß er in einen Stein verwandelt wurde, ist eine zweite. Nehmen wir an, daß beide richtig sind: was folgt daraus? Einfach das, daß Reuben und sein Sohn als Einzelwesen aufgefaßt werden, nicht als Stamm. So sprechen sogar die Vermutungen, die angeführt werden, um die Theorie zu beweisen, in Wirklichkeit nur gegen sie. Uebrigens könnte ein Vorfall, wie er hier angenommen wird, nicht beweisen, daß Reuben sich dauernd bei dem Stein aufhielt, denn die Erzväter waren im Wesentlichen Nomaden und befanden sich ständig an Orten, wo sie keine festen Wohnsitze hatten. Ich muß hier abbrechen. Diese Besprechung mußte zum größten Teil der Kritik gewidmet sein; aber die Absicht dieser Kritik ist aufbauend. Procksch' Buch ist so gut, daß wir hoffen können/er werde uns noch etwas viel Besseres geben. Ein herzlicher Willkommengruß gebührt Friedrich Baumgärteis Hebräischem Wörterbuch zur Genesis (Gießen, Alfred Töpelmann 1926). ׳ Es ist ein hebräisch-deutsches Vokabular für Anfänger und als Schulbuch gedacht. Büchlein dieser Art stellen zweifellos eine große Wohltat für den Studenten dar. Wenn sie, wie im Falle von Baumgärteis Arbeit, von kompetenten Hebraisten verfaßt sind, ersparen sie ihm nicht nur viel Zeit, sondern setzen ihn auch instand, sich eine gesunde Grundlage des Wissens mit einem Minimum von Mühe und Kosten zu erwerben. Möge das kleine Werk zu weiterer und besserer Bekanntschaft mit dem Bibeltext beitragen. ,,Wissenschaftlichen Wert haben meines Erachtens solche Versuche nicht“; diesen Kommentar gibt Hans Meinhold (DerDekalog, Rektoratsrede gehalten zu Bonn am Rhein am 7. November 1926, Gießen, Töpelmann 1927) zu Vivisektionen des Dekalogs durch Kittel, Sellin und Hans Schmidt (S. 28). Mindestens mit gleichem Recht ist dieses Urteil auf seine eigene Broschüre anwendbar. Hier einiges zur Begründung: In Tatsachenfragen ist Meinhold ein unzuverlässiger Führer. So' lesen wir: ,,In der Tat wird im A. T. alles, was es mit dem fas und jus zu tun hat, auf Mose zurückgeführt“ (S. 6). Die Behauptung ist inkorrekt. Die Genesis weist gewisse religiöse Gebräuche Jakob (2822, 3233), Abraham (17) und sogar noch früheren Zeiten zu (z. B. 946־)• Wenn David ein Beutegesetz einführt, wird es nicht Mose zu-