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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 2 · p. Seite 121

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 2
Article
Zur neuesten Pentateuchliteratur [Rezension]
Date
1928-01-01
Page
Seite 121 (sequence 6)
Language
German
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121 Vorschlag/' S. 5 schreibt er von der Quellenscheidung: ,,Wenn das heute wissenschaftlich als gewiß gelten darf, trotzdem der Widerspruch dagegen auch heute nicht verstummt ist und vielleicht nie verstummen wird." Ich kann nur sagen, daß man auf anderen Gebieten andere Begriffe von Gewißheit hat. In diesen Dingen scheint mir Procksch sich selbst nicht gerecht geworden zu sein, denn wo er sich gehen läßt, schreibt er gut, klar und mit großem religiösen Verständnis. Seine Behandlung der Genesis vom religiösen Standpunkt aus als der ,,Lehrmeisterin zweier Religionen, der israelitischen und der christlichen" (S. 3) ist sehr schön und ruft die sehnsüchtige Empfindung hervor, welch ausgezeichnete Arbeit er tun könnte, wenn er nur seine Seele von den Fesseln befreien wollte, in die die Schulweisheit seiner Zeit sie geschlagen hat. Es war das der erste Kommentar zur Genesis, in dem von den griechischen Kursiven in irgendwie nennenswerten Maße Gebrauch gemacht wurde, und daher verdient er große Anerkennung. Der Nutzen, der aus dem Septuagintamaterial gezogen werden kann, ist noch lange nicht erschöpft, und wir hoffen, daß es in der nächsten Auflage noch weiter verwertet werden und daß sich in der Einleitung auch ein Abschnitt über die Vulgata finden wird. Der Rest dieser Besprechung soll einigen geschichtlichen Fragen gewidmet sein, deren Erörterung innerhalb der notwendigen Grenzen nützlicher sein kann als die von Themen, die zur Behandlung mehr Raum fordern. Procksch glaubt an die Theorie von einem geteilten Israel. Ihre Hauptstütze ist zweifellos eine falsche Anordnung im Numeritext, die ich in dem Aufsatz zur Pentateuchfrage in dieser Zeitschrift besprechen werde. Wenn sie richtiggestellt wird, so besteht keine Schwierigkeit mehr in der Erklärung der Mernephtachstele. Nach dem Pentateuch baute Israel Pithom und Ramses unter der Regierung eines Königs und erlitt in den ersten Jahren des folgenden durch die Vasallen der Aegypter im Süden von Palästina eine vernichtende Niederlage. Diese zwang sie, alle Eroberungspläne aufaufzugeben und 38 Jahre lang in die Wüste zu wandern. Nach der Aegyptologie wurden Pithom und Ramses unter der Regierung Ramses’ II. gebaut. In den ersten Jahren seines Nachfolgers Mernephtach erlitt Israel — in einer für einen Beduinenstamm ganz passenden Weise als Volk bezeichnet — eine vernichtende Niederlage in oder bei Palästina, die das Land vor jeder Gefahr, die das Volk sonst verursacht haben könnte, sicher machte. Offensichtlich beziehen sich beide Berichte auf dieselbe Reihe von Ereignissen, und wenn man die Sache im Einzelnen ausarbeitet, findet man genaue Uebereinstimmung. Während dies die wirkliche Antwort auf die Theorie von einem geteilten Israel ist, darf man die Argumente nicht übersehen, die sich aus der Genesis ergeben. Procksch faßt die Ansicht so zusammen: ,,Man hat dann nur anzunehmen, daß die Lea- Stämme zu einem guten Teil stets in Kanaan geblieben und nie nach Aegypten ausgewandert sind, während die Rachelstämme in Aegypten saßen, anfangs in Freiheit, später in Knechtschaft." (S. 574.) Wir wollen einige seiner Beweise hierfür prüfen.

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