Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur neuesten Pentateuchliteratur [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 4)
- Language
- German
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119 Billen glaubt, daß alle unsere lateinischen Quellen Rezensionen einer lateinischen Version darstellen. Der stärkste Beweis auf der anderen Seite stammt aus Augustin, aber wenn auch die Verschiedenheit zwischen dem griechischen Text, der seiner Version zugrunde liegt, und dem der andern lateinischen Quellen deutlich ist, so ist doch der Zusammenhang zwischen seiner Version und den ihrigen zu eng, um zufällig zu sein. Es wird daher gefolgert, daß er den lateinischen Text nach einer griechischen Handschrift verbessert hat. Das ist nur die stärkste Veranschaulichung einer Wahrheit, die sich dem Leser des Buches beständig auf drängt, daß nämlich der Forscher, der den Urtext der LXX oder des Hebräischen wieder herstellen will, sich letzten Endes eher auf seine Fähigkeit, zu sehen, welche Lesart die ursprünglichste war und am ehesten zu den andern uns erhaltenen Lesarten verderbt werden konnte, wird verlassen müssen, als auf irgend eine oder mehrere Autoritäten oder mechanische Regeln. Wenn Untersuchungen wie die von Billen schon das Ihrige getan haben, so wird der wertvollste Teil der textkritischen Arbeit noch nach anderen Methoden geleistet werden müssen. Noch eine Ansicht des Verfassers muß selbst in einer kurzen Anzeige mitgeteilt werden: ,,Zweifellos folgte der ursprüngliche lateinische Text bisweilen einem nur in Kursiven erhaltenen Text, aber im allgemeinen ist dort, wo sich die lateinischen Handschriften unterscheiden, der den Kursiven folgende nur schlechter/' (138 f.) Wenn dies durch künftige Forschungen bestätigt wird, kann es für die Rekonstruktion der LXX von einiger Wichtigkeit werden. Das Buch sollte einen Platz in allen wissenschaftlichen Bibliotheken finden, wo man sich mit Textkritik beschäftigt. Das Rezensionsexemplar des Prockschschen Buches (Kommentar zum Alten Testament, herausgegeben von Professor D. Ernst Sellin, Band I:Die Genesis übersetzt und erklärt von D. Otto Procksch, Professor der Theologie in Greifswald. 2. und 3. Auflage, A. Weichertsehe Verlagsbuchhandlung. 1924, X u. 584 S.) gelangte erst Mitte Januar 1928 zu mir; es ist also nicht meine Schuld, wenn ich es so spät anzeige. Es ist das ausführliche, sorgfältige, gelehrte und gründliche Erzeugnis einer Schule, mit deren meisten Voraussetzungen ich in toto nicht übereinstimme. Eine Auseinandersetzung mit diesen müßte die Grenzen einer Besprechung weit überschreiten. So darf hier nur die Aufmerksamkeit auf gewisse Züge der Arbeit gelenkt werden, die erneute Betrachtung zu verdienen scheinen. Dabei scheue ich mich nicht, einige der am liebevollsten gehegten Sacra der Schule anzugreifen. Denn ich glaube, daß eine klare Aufstellung der Ein wände die gegen sie sprechen, von beträchtlichem Wert sein kann. Zunächst scheint mir die philologische Behandlung der Bibel in mancher Richtung mindestens ebensoviel Schlechtes als Gutes zu haben. Ihre Anwendung auf allgemein gebräuchliche Namen, die von Anhängern dieser Schule gewöhnlich (obgleich etwas willkürlich) geübt wird, macht ihre Arbeiten weit schwerer lesbar als es sonst der Fall zu sein brauchte, und ist mit eine Ursache dafür, daß die Bibel immer mehr vernachlässigt wird. In diesem Buche finden wir z. B. Formen wie Ja'kob, Isaak, Beergeba'. Was soll das für einen