Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zum 10jährigen Todestage Hermann Cohens
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 2)
- Language
- German
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114 um die Philosophie des wissenschaftlichen Idealismus zu entdecken. Seine philosophische Entwicklung ein lebendiges Beispiel der Autonomie der Persönlichkeit! Bedeutete das gründliche Studium der griechischen Philosophie, von dem seine Dissertation Zeugnis ablegt, einen Gewinn für alle weitere philosophische Arbeit, so charakterisiert es den Gegenpol, von dem Cohen den Ausgang nahm, wenn er als 1. These zum Zwecke seiner Promotion den Satz aufstellt: Omnem philosophiae progressum in psychologia constitutum esse. Dieser Einfluß der Psychologie auf das philosophische Denken wurde in Berlin durch Lazarus und Steinthal vertieft. So erhalten wir die Untersuchung über ,,Die platonische Ideenlehre, psychologisch entwickelt", die zu dem Resultat führt, daß das Verhältnis Platons zu Pythagoras erst dann erkannt sein wird, wenn die aristotelische Kritik der platonischen Ideenlehre einer eingehenden Prüfung unter־ zogen sein wird, ״und erst wenn diese Prüfung ergibt, daß die aristotelische Kritik nicht auf einem jede objektive Verständigung ausschließenden, gegnerischen Standpunkt steht, .... daß sie vielmehr aus dem tiefen Verständnis des psychologischen Ursprungs der Idee heraus diese in ihrer Entwicklung bekämpft und in ihrer allgemeinen Wahrheit bestreitet, dann erst wird die volle Glaubwürdigkeit und Zeugnisfähigkeit des Aristoteles auch für solche platonische Lehren anerkannt werden müssen, die sich in Platons uns erhaltenen Schriften entweder gar nicht, oder doch nur in den allerschwächsten, nur durch jene Berichterstattung dahin zu verstehenden Andeutungen vor־ finden". (I S. 87.) Ganz im Fahrwasser der Völkerpsychologie und ihrer mechanistischen Theorie der Verdichtung der Vorstellungen, die zur Bildung der mythologischen Vorstellungen und von da zu den Begriffen des objektiven Geistes führt, die dann später von Wundt auf die breite Basis eines umfassenden empirischen Materials gestellt wurde, bewegen sich die Aufsätze über ״Mythologische Vorstellungen von Gott und Seele, psychologisch entwickelt" und ״Die dichterische Phantasie und der Mechanismus des Bewußtseins". Da entbrennt der Streit zwischen Trendelenburg und Kuno Fischer über die Auffassung der transzendentalen Aesthetik Kants, über die Frage, ob Kant die Apriorität des Raumes und der Zeit und den Ausschluß ihrer realen Wirklichkeit erwiesen habe. Hier war ein philosophie-geschichtlicher Streit, der zugleich von eminenter systematischer Bedeutung war. In diesen Streit greift Cohen ein und gewinnt durch das Studium Kants die Erkenntnis von der Bedeutung Kants für die Theorie der Erfahrung, ohne diese Erkenntnis noch in ihrer ganzen Tragweite zu erfassen und zur Grundläge der Auseinandersetzung zu machen. ,,Es dürfte wohl kaum befremden, wenn wir hier zufügen, daß zu einer ausreichenden Klärung dieses den Herd der Kantischen Kritik bildenden Problems die Erörterung der ganzen Kantischen Lehre über den Begriff der Erfahrung erforderlich sei." (I S. 231.) Die im folgenden Jahre (1871) erscheinende ״Kants Theorie der Erfahrung" enthält diese Darstellung und begründet den philosophischen Ruf Cohens. Und nun folgen jene Werke, die das Werk