Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zum 10jährigen Todestage Hermann Cohens
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 113 (sequence 1)
- Language
- German
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Zum 10 jährigen Todestage Hermann Cohens. (4. April 1928) Von Albert Lewkowitz ln Breslau. Cohen weist einmal darauf hin, wie im Judentum das Andenken seiner führenden Persönlichkeiten dadurch zur ständig fortwirkenden Kraft und zugleich von allem Persönlichkeitskultus befreit ins Objektive gesteigert wird, daß ihre Werke Träger und Erben ihres Namens, jene nach diesen benannt werden. So konnte das Andenken Hermann Cohens nicht würdiger und mehr im Geiste dieses der Erkenntnis geweihten Lebens zu seinem 10 jährigen Todestage vertieft werden, als durch Herausgabe seiner ,,Schriften zur Philosophie und Zeitgeschichte", die als Veröffentlichungen der Hermann Cohen-Stiftung bei der Akademie für die Wissenschaft des Judentums von seinen bedeutendsten Schülern und Fachgenossen Albert Görland und Ernst Cassirer herausgegeben wurden und in zwei stattlichen Bänden des Akademie-Verlages vorliegen. Zwei Bildnisse Cohens nach Zeichnungen von Karl Doerbecker zeigen diesen unvergeßlichen mächtigen Kopf sinnend und lesend, von energischem Willen beherrscht und ganz durchglüht von der Intensität und Konzentration des Denkens. Worte Cassirers, gesprochen an seinem Grabe, eröffnen die Darstellung und geben den Gesamtanblick des Mannes und seines Werkes in der innigsten, zartesten Verbundenheit mit dem Meister und Freund, erfüllt von der Ewigkeitsbedeutung der Philosophie, die in Cohen Gestalt und scharf geprägter Gedanke geworden ist. ,,Hier wirkte ein leidenschaftlicher Wille, der doch beständig danach strebte, sich selbst in höchster objektiver Deutlichkeit zu begreifen und sich über sich selbst Rechenschaft zu geben. Als eine solche Rechenschaftsablegung vor sich selber, als ein Aoyov dtddvat im Sinne Platons hat er die Philosophie verstanden. Er griff nach den letzten und höchsten Abstraktionen des Denkens, um in ihnen den sittlich-religiösen Grundtrieb seines Wesens zu verstehen und zu begründen." (S. XI.) Von dieser höchsten Einheit der persönlichen Entfaltung und der wissenschaftlichen Arbeit, von dem Grundgesetz der Wahrheit als Grundlage der Philosophie und der Stellungnahme zur Welt der Geschichte geben diese Schriften zur Philosophie und Zeitgeschichte Zeugnis. Der Ertrag einer mehr als 50 jährigen philosophischen Arbeit, wie er sich neben den großen Werken Cohens in Aufsätzen und Monographien ausprägt, ist in den zwei Bänden, die die Zeit von 1865 bis 1916 umfassen, gesammelt. Ein halbes Jahrhundert Geistesgeschichte, in welche die Philosophie Cohens als revolutionierende Kraft eingreift! Erschütternd ist es in Cohens eigenen Arbeiten zu lesen, wie Cohens Jugendzeit von den Mächten beherrscht ist, gegen welche er selbst in leidenschaftliche Opposition treten mußte, um sich selbst, Monatsschrift, 72. Jahrgang. 8