Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die Beziehungen der Juden zur Freien Hansestadt Bremen von 1065 bis 1848
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 453 (sequence 10)
- Language
- German
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453 Schutzjuden Joseph Itzig und Itzig Joseph, jedenfalls Vater und Sohn, an den bremischen Senat1. Auch von einigen Jüdinnen ist in den Akten jener Zeit die Rede. Aus Lübeck erkundigt man sich am 22. April 1717 eingehend, ob Clara Hirsch, 29 Jahre alt und ziemlich korpulent, in Bremen gewesen und getauft sei, worauf bejahend geantwortet wird2. — 1734 findet für zwei bekehrte Jüdinnen und deren Kinder eine Kirchenkollekte3 statt, und ein Jahr später berichtet die Kirchenchronik, daß der Jude David Sienner getauft sei und den Namen Christian Caspar erhalten habe4. Nach weiteren 11 Jahren, im April 1746, ist wiederum die Rede von einem getauften Juden. Georg Wahlter Amsing, ursprünglich für das rabbinische Studium bestimmt, richtet ein ausführliches Gesuch an den Senat und bittet um Gewährung eines Viatikums, um sein ״heiliges Werk“ in Frankfurt a. d. Oder fortsetzen zu können5. Die Taufepidemie, unterstützt durch den schweren, auf den Juden lagernden Druck, den die Behörden fortgesetzt ausüben, nimmt ihren Fortgang und erreicht auch in Bremen ihren Höhepunkt zur Zeit der Aufklärungsepoche6, die mit dem Wirken Moses Mendelssohns ihren Anfang nahm. Eine Reihe Familien, deren Namen heute in Bremen einen guten Klang haben, hat damals dem Judentum den Rücken gekehrt, und die Nachkommen stehen jetzt an erster Stelle, wo es die Förderung des Christentums gilt. Erwähnenswert ist auch die Geschichte eines jungen Juden Samuel Lazarus, geb. 1781 in Münder7. Gerüchte, daß es den Juden in Konstantinopel besonders gut gehe und die eingebildete Aussicht auf geschäftliches Vorwärtskommen verleiteten seine Eltern, Jacob Samuel und dessen Ehefrau Lea, die Wanderschaft nach der Türkei anzutreten. Unterwegs werden sie anderer Meinung, wenden sich wieder zurück nach Norddeutschland und lassen sich in Bovenden bei Göttingen nieder. Der junge Samuel, des traurigen Lebens satt, begibt sich nun, kaum 14 Jahre alt, allein in die Fremde, hält sich 8 Wochen bei Verwandten in Hamburg auf und landet schließlich in Bremen, wo er am 9. Mai 1794 ein Taufgesuch einreicht, um in die christliche Gemeinschaft aufgenommen zu werden. — Es ist charakteristisch, daß man selbst in Bremen um diese Zeit dem sog. ,, Juden-Eid“ sein Interesse zuwendet, obwohl man praktisch kaum davon Gebrauch machen konnte. Eine ausführliche Abhandlung über dieses Thema liegt aus dem Jahre 1786 vor8. Verfasser ist ein 1 Bremisches Staatsarchiv: Judenakten: P. 8. E. 2b. 2 Bremisches Staatsarchiv: Juden akten: P. 8. E. 2b. 3 Bremisches Staatsarchiv: Judenakten: T. 2. dd. 4 Bremisches Staatsarchiv: Judenakten: T. 2. dd. 5 Bremisches Staatsarchiv: Judenakten: P. 8;. E. 2b. 6 In seinen ״Bildern aus der Geschichte Bremens“, Kap. 31855) ל), schreibt Krüger über die Zustände in Bremen zur Zeit des siebenjährigen Krieges: ״Der Stumpfsinn unter den mittleren und unteren Volksklassen war damals so groß, daß man von den Stammverhältnissen und der Nationalität der Deutschen keine Vorstellung mehr hatte, sondern, durch das fleißige Lesen der Bibel darauf hingeleitet, glaubte, daß das deutsche Volk von den Juden abstamme“. 7 Bremisches Staatsarchiv: Judenakten: T. 2 dd (siehe Anlage IV). 8 Bremisches Staatsarchiv: Judenakten: Qq. 10 B. II. 6d.