Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die Beziehungen der Juden zur Freien Hansestadt Bremen von 1065 bis 1848
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 452 (sequence 9)
- Language
- German
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452 nähme- und Eisen-Bergwerkencr. Der Verfasser ist nicht genannt1. Wenn auch der Rat die Niederlassung von Juden verhindern konnte, so blieb es doch nicht aus, daß auswärtige Juden von Zeit zu Zeit Bremen in Geschäften aufsuchten. Von solchen Reisenden erhob die bremische Behörde den Judenzoll. Mit derartigen Maßnahmen fand sie jedoch bei anderen, freiheitlicher gesonnenen Behörden wenig Zustimmung, und es kam zu einem Rencontre mit dem Rat von Glückstadt, der den Senat mit Schreiben vom 12. Februar 1639 auf forderte, dem Juden Joseph Dematus die ihm abgenommenen 3 Goldgulden zurückzuerstatten: die portugiesischen Juden genössen Handlungsfreiheit, und der Senat möge ihnen dieselbe ebenfalls unentgeltlich erlauben2. — Eine heitere Episode von einem in Bremen wohnenden Juden wird aus dem Jahre 1699 berichtet3. Dieser Jude hatte sich zu allgemeiner großer Erbauung, wie die Chronik erzählt, in der Klosterkirche, also in nächster Nähe unserer heutigen Synagoge, taufen lassen. Die Taufe ermöglichte es ihm, sich in Bremen ungehindert niederzulassen, aber seine neuen Glaubensgenossen machten keine besonders guten Erfahrungen mit ihm, obwohl die Spitzen der Behörden, Bürgermeister Meinertzhagen und Senator Düsing, bei der Taufe Gevatter gewesen waren. Der Vorteil des Bürgerrechts und die Gelegenheit, manch fromme Seele zu betrügen, so berichtet die Chronik, hatten ihn wohl hauptsächlich zu dem Uebertritte bewogen; denn nachdem er viele angesehene Einwohner durch Lug und Trug um namhafte Summen, besonders aber den Pastor, der ihn zur Taufe geführt hatte und oft Bürge für ihn geworden war, fast um all das Seinige gebracht hatte4, lief er mit seinem Weibe davon, und man erfuhr hernach, daß er 2 Weiber zugleich zur Ehe gehabt habe. — Der Geschichtsschreiber schließt diesen Bericht mit der vielsagenden. Bemerkung: Ein sauberer Convertite! Unsere Zeit scheint es wenig zu begreifen, wie selten ein Apostat aus reiner Absicht es ist. — Aehnlich dem Glücksburger Fall liegt ein Gesuch aus Dehnenhörst, das Bürgermeister und Rat am 12. Dezember 1711 an den Senat richten; man bittet dringend darum, den Churfürstlich Hannoversehen Schutzjuden Meyer Levy nicht mit dem schweren Judenzoll zu belegen; bereits am 18. Dezember erfolgt ein abschlägiger Bescheid5. — Gleicherweise wendet sich die Kur-Köllnische Regierung in Paderborn mit Schreiben vom 1. August 1739 zugunsten der 1 Bremisches Staatsarchiv: Judenakten: P. 8. E. 2a. 2 Bremisches Staatsarchiv: Judenakten: P. 8. E. 2a. 8 Storck, Ansichten usw., a. a. 0. 4 Wahrscheinlich gehörte er zu jenen ,,Kippern und Wippern“, die sich damals die durch allmähliches Eindringen des Silbers aus Mexiko und Peru vorbereitete völlige Umwälzung im Münzfuß zunutze machten und es verstanden, Bremer Marken und gutes Geld an sich zu ziehen und die neuen minderwertigen Silbermünzen in Mengen hereinzubringen. Während der ״geringe Stand“ an der kleinen Münze großen Schaden erlitt, konnten die Kaufleute in Bremen, Hamburg und Lübeck an den verhältnismäßig nicht so sehr steigenden Spezi es thalern viel gewinnen. (Duntze, Geschichte der freien Stadt Bremen, Bd. 4.) 5 Bremisches Staatsarchiv: Judenakten: P. 8. E. 2b.