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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 7 · p. Seite 450

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 7
Article
Die Beziehungen der Juden zur Freien Hansestadt Bremen von 1065 bis 1848
Date
1927-01-01
Page
Seite 450 (sequence 7)
Language
German
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450 die kurz nacheinander erwähnt werden, oder ob Brorna mit Leffmann identisch ist, läßt sich nicht sagen. Immerhin ist es interessant zu erfahren, daß in demselben Jahrhundert, in dem Bremen die Verbrennung von Hexen und■ sog. Zauberinnen erlebte•, die Vorurteilslosigkeit des Erzbischofs gegenüber den Juden so groß war, daß sie bei ihm ein־ und ausgingen und zweifelsohne im Dienst der erzbischöfliehen Kurie standen, um Edelsteine und Prunkgegenstände für Zwecke der katholischen Kirche zu besorgen. Die Bauten, weiche Lüder von Bentheim in jener Zeit ausführte (Rathaus1, Stadtwage und Markt-Apotheke) und prachtvolle Epitaphien in den Kirchen zeugen von dem Kunstsinn und der materiellen Blüte der Stadt am Ausgang des 16. Jahrhunderts. Für die Juden und ihre An- Siedlung scheinen sich die Erzbischöfe außerordentlich interessiert zu haben: so wurde Rodriguez de Castro, Dr. med. et phil., geboren 1546 in Lissabon als Sohn von Scheinchristen und 1612 nach öffentlicher Anerkennung der portugiesischen Juden öffentlich zum Judentum übergetreten, vom Erzbischof von Bremen berufen; de Castro hatte sich 1596 bei Bekämpfung der Pest in Hamburg rühmlich hervorgetamund konnte sich in seinem 1614 in Hamburg erschienenen Werk ״me/dicus politicus“ selbst als ,,per Europam notissimus“ bezeichnen2.— Am 18. Mai 1618 übersendet Erzbischof Johan Friedrich dem Rat ein vom 2. September 1602 stammendes Gutachten der juristischen Fakultät Heidelberg, an die Regierung in Hanau gerichtet, das sich eingehend mit der Frage befaßt, ob die Juden zu dulden seien und ob ihnen eine Synagoge (es ist von Windheim an der Weser die Rede) wieder zu öffnen sei. — Im Jahre 1616 hatten sich durch ein empfehlendes Vorwort des Landgrafen von Hessen 16 jüdische Familien um Aufnahme an den Rat gewandt3 4. Erzbischof Johan Friedrich befürwortete dies Gesuch am 17. September 1617A Während es sich einige Jahrzehnte früher um einen Juwelenlieferanten handelte, gehen die erzbischöflichen Bemühungen jetzt um die Heranziehung eines jüdischen Arztes, dessen Name Salomon Hirschieder überliefert wird. Dieser ״Judte und Medicus“ war schon eine Zeitlang unter dem Schutz des ihm wohlgesinnten bremischen Erzbischofs Johan Friederich, Prinz von Norwegen, Herzog zu Schleswig-Holstein, in Bremen ansässig gewesen, und mit Sicherheit sind die Jahre 1616, 1617 und 1618 als Aufenthaltszeit anzusetzen. Wie aus der Befürwortung des Erzbischofs ersichtlich, betrifft das von Hirschieder für sich und seine ״Mitconsorten“ eingereichte Aufnahmegesuch die Zulassung für den jüdischen Arzt, seine Anverwandten, Freunde und Hausgesinde. Daß Hirschieder mit den einschlägigen bremischen Verhältnissen durchaus vertraut war, machen die dein Rat vorgelegten ״Conditiones und Vorschläge“ zur Genüge klar5. Namens der ״Jüdischen Gesellschaft“ bietet er die Einzahlung von 5000 Reichs- 1 An der Ostseite des Rathauses eine Skulptur, den jüdischen Gesetzgeber Moses darstellend. 2 Jewish Encyclopaedia; Wininger, Jüd. Nationalbiographie, Bd. 1. 3 Storck, Ansichten der freien Hansestadt Bremen, S* 342. 4 Br. St.-Arch., Judenakten: P. 8. E. 2a (Anlage I). 5 Anlage II (Original im Bremer Staatsarchiv).

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