Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die Beziehungen der Juden zur Freien Hansestadt Bremen von 1065 bis 1848
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 446 (sequence 3)
- Language
- German
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- Lübeck 1× ep/1048008
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446 nach ihn! ist mutmaßlich die noch heute bestehende Gasse ״Abraham“ genannt; die dauernde Niederlassung von Juden im benach־־ barten Oldenburg beginnt im Jahre 1692 mit der Ansiedlung der Königl. Dänischen Schutzjuden Joseph und Jacob Abraham, die aus Altona einwanderten und denen die Stadt Oldenburg das Bürgerrecht gewährte. — Eine Judenverfolgung, die im Anschluß an die Pestzeit 1350 erfolgte, ist für die damals stift-bremische Stadt Wildeshausen urkundlich bezeugt. Wenden wir uns nun den bremischen Schwesterstädten zu, so ist für Lübeck1, die bedeutendste der nordischen Handelsstädte, die Ansässigkeit der Juden nicht nachweisbar; sie werden zuerst in einer Urkunde von 1350 erwähnt, aber noch 1499 schreibt der alte Lübecker Chronist Reiner Kock: ,,In Lübeck sind keine Juden; man bedarf ihrer auch nicht“2. Vielleicht war ihres Bleibens in Lübeck deshalb nicht, weil gerade Lübeck im 13. Jahrhundert der Sammelplatz für die Kreuzfahrer gewesen ist, die gegen die Heiden nach Livland und Preußen auszogen. Auch in Hamburg findet sich keine sichere Spur von Juden. Die Geschichte der ältesten Judenansiedlung ist noch unerforscht; die neuere beginnt mit der Ansiedlung portugiesischer Marannen im Anfang des 17. Jahrhunderts. In Bremen erscheinen die Juden sehr spät. Als unter Erzbischof Adalbert dem Großen (1043—1072) das kleine Bremen gleich Rom zu einem Sammelplatz der Völker wurde und aus allen Teilen der Erde Kaufleute ihre Waren auf den bremischen Markt brachten, hatte er einen Juden zum Verwalter seiner Finanzen ernannt3, ein in Deutschland nur ganz vereinzelt vorkommender Fall. Vielleicht ist es der nämliche Jude, den Adalberts Biograph Adam von Bremen zu 1065 erwähnt4. Letzterer berichtet, Erzbischof Adalbert habe, um den Ruhm der Welt zu erhaschen, Menschen allerlei Art zu seinem Umgang herangezogen. ״Unter ihnen war ein vom Judentum zum christlichen Glauben bekehrter Zugewanderter, namens Paulus, der, ich weiß nicht, ob aus Habgier oder Wissensdurst, nach Griechenland gezogen war und nach seiner Rückkehr von dort sich an unsern Erzbischof hing und sich rühmte, in vielen Künsten und Wissenschaften wohl erfahren zu sein, so daß er aus gänzlich Ungebildeten in drei Jahren Philosophen und aus Kupfer lauteres Gold hersteilen könnte. Leicht brachte er den Erzbischof dazu, allen seinen Worten zu glauben, da er zu all seinen Lügen noch hinzufügte, er würde schnellstens in Hamburg eine öffentliche Goldmünze errichten und für Denare Byzantinen ausgeben.“ In kirchlichen Urkunden der Erzdiözese Bremen werden Juden am 31. Dezember 1199 und am 19. April 1213 erwähnt5; in beiden fordert Papst Innocenz III. die Geistlichkeit auf, zur Unterstützung der Christen im Morgenlande beizntragen, und er bestimmt u. a., daß die Kreuzfahrer von der Zahlung von Zinsen befreit sein sollen 1 Ygl. Caro, a. a. O. 2 Von Carlebach in seiner ,,Geschichte der Juden in Lübeck nnd Moisling“, S. 1, erwähnt. 3 Chronik Laureshamende, M. G., S. 21, 414 zu 1065. 4 Chronik Laureshamende, M. G., S. 7, 349 (Schob 78 zu Adam von Bremen, Hamhurgische Kirchengeschichte, 3. Buch, S. 158). 3 Nach Aronius usw.: Regesten zur Geschichte der Juden im fränkischen und deutschen Reiche bis 1273, S. 155 u. 173.