Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Der Piut des R. Sahlal Gaon und das Jahr seiner Abfassung
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 436 (sequence 11)
- Language
- German
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436 schon abgefunden, scheiterten wir ja schließlich doch an der zweiten Versh'älfte, die uns fast in jedem Worte ein neues Rätsel aufgibt1. D. bemüht sich, etwas Licht in das Dunkel zu bringen, leider ohne Erfolg. Zu Z. 4b bemerkt er (n. 130): ,,Etymologisch ist der Vers schwer zu erklären“, zu 5b (n. 132): ,,Der Sinn dieses Verses ist dunkel". Dazu kommt, daß durch den Seitensprung von der Geschichte des Auszuges zu den 613 Geboten der Tora der Zusammenhang in empfindlicher Weise gestört wird. Denn, daß Z. 6 die unmittelbare Fortsetzung von Z. 1 bildet, ist selbst in unserm kurzen Auszuge deutlich zu erkennen. Mir will daher scheinen, daß diese Abschweifung nicht dem Autor der Hymne zur Last fällt, sondern nachträglich von unbefugter Hand eingeschoben wurde. Wie bereits erwähnt, besteht das Lied aus 251 Versen. Nach der an zwei Stellen (V. 3 u. 46) geäußerten Absicht des Verfassers sollte es aber auf 248 Verse (den Gliedern des Menschen entsprechend) beschränkt bleiben. In der Fassung, in der es R. Tarn vorlag, zählte es nur noch deren 247 (תום׳ ישג" zu Joma 21b). Mithin hat die von D. benutzte Abschrift vier Verse, die eine fremde, man darf wohl sagen, plumpe Hand eingeschmuggelt hat. Als solche möchte ich, trotz meinem oben unternommenen Versuch einer notdürftigen Erklärung, die 4 Zeilen zwischen 1 und 6 streichen. Sie verraten sich als Einschiebsel durch die gewaltsame Trennung von Zusammengehörigem und als Stilübung eines Unberufenen durch die stümperhafte Nachahmung ihres Vorbildes. Z. 1 und 6 lauten in freier Uebersetzung: Und dem Gebieter über Dürftigkeit Und Reichtum tönten zahlreich Lobgesänge, Da über der Bedrücker große Menge Er ihren Schritt gelenkt in Sicherheit, Da er mit Kostbarkeiten sie bereichert, Wie man sie hinter Ketten wohl verwahrt, Als herrliche Kleinode seltner Art Im festen Schatzgewölbe aufgespeichert. V. 190: נהי נשמע בעת נקמע וצמע כוזשמע אוי גמע מצרים Zu נקמע bemerkt D. (n. 145): Von קמע knüpfen, binden (s. Aruch s. v.); zu צמע (n. 146): Bedeutung dunkel. — Die Mischna gibt für צמע die Erklärung שאוני! קטנות (Bechorot VII 4). Demnach wäre auch נקמע hier besser mit קמעא (wenig) in Verbindung zu bringen. Die Rede ist von der Strafe, die Aegypten wegen der Mißhandlung der gepeinigten (מצרים) Israeliten traf. 1 ,,Festgefügt wie eine gute Wand fürWolinungen“ — das wäre die Lösung, wenn man בקיר in כקיר verbessert. Darf man unserm Dichter solche Geschmacklosigkeit unterstellen? D. liest בקיר und denkt dabei an Wachs (x7]poz9 cera), womit sich das Dunkel freilich auch nicht lichtet. — Daß בקיר טוב und למגורים den gleichen Zahlenwert haben (329) und der ganze Halbvers, wenn man in דבקו das ו streicht, 99ל ergibt (wie wir später sehen werden, die Jahreszahl der Abfassung), ist gewiß nur Zufall und daher für die Lesart nicht entscheidend.