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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 7 · p. Seite 429

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 7
Article
Der Piut des R. Sahlal Gaon und das Jahr seiner Abfassung
Date
1927-01-01
Page
Seite 429 (sequence 4)
Language
German
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429 unverständlich, ich empfehle ואם תאמר בלי דעה פעליו ואך מכשול עכודתו גמורים zu lesen. Demnach wäre der Sinn dieses Verses und der beiden nächsten wie folgt: ,,Willst du sagen, das Insekt handle ohne Einsicht und nur durch Zufall sei sein Werk vollendet, wie kannst du annehmen, ein Tor könnte solche Dinge vollbringen, ein unvernünftig Wesen sollte weben. Es ist wahr, es besitzt weder menschliche Intelligenz noch Tollheit (madness), aber Gott hat es mit schönen Fähigkeiten ausgestattet (endowed it with goodly qualities).“ — Allein abgesehen von der Unzulässigkeit so schonungs־־ loser Textänderung, stimmt ja גמורים nach Zahl und Geschlecht ganz und gar nicht zu עבודתל. Auch heißt מכשול nicht ,,accident“. Hätte es diese Bedeutung, so wäre D. ja nicht genötigt, כעורים in גמורים zu verwandeln, er brauchte dann nur כעורים statt כעורים zu punktieren (,,seine Arbeit ist nur Zufall gleich den Blinden“). AJber מכשול und Akzident sind eben grundverschiedene Begriffe. Wie sollte auch jemand auf den Gedanken kommen, dem Zufall zuzuschreiben, was sich immer wieder mit derselben Genauigkeit und Gleichmäßigkeit vollzieht? Nein, der Schlüssel zu all den Schwierigkeiten liegt einzig und allein in dem offenbar verschriebenen כעורים. Es ist ein häufig zu beobachtender Fehler dieser Abschrift, daß sie כ mit כ• und צ mit ע verwechselt. Liest man בצורים, so bedarf es keiner weiteren Verbesserung mehr. יחידה ist hier wie bereits' früher (V. 45) nach Ps 2221 die Seele, und מכשול lese ich מכשול (Inf. Kal mit p). Der Dichter will sagen: Jedes denkende Wesen unterliegt dem Irrtum. Nur die Maschine irrt sich nicht. Wie kommt es nun, daß die Intelligenz der Seidenraupe, wenn sie dergleichen besitzt, nie versagt, daß ihre Werke (פעליו) jedem Fehlgriff verschlossen (בצורים), dem Irrtum unzugängli c h, gegen jedes Straucheln ihrer Seele gesichert sind? Zieht man es vor, נצורים an die Stelle von כעורים zu setzen, so ist füglich nichts dagegen einzuwenden, da mitunter auch נ mit כ verwechselt wird. Aber, Gb בצורים oder נצורים, der Sinn des Verses bleibt derselbe,, nur daß er in נצורים noch deutlicher zum Ausdruck kommt. Der Dichter meint nun: Schreibst du die Lei״ stungen des Seidenwurms seiner Vernunft zu, wodurch werden sie vor einem Ermatten seiner Einsicht bewahrt? Die einfachste und nächstliegende Berichtigung des zweifellos fehlerhaften 1כעורים wäre ja freilich ריקים =) נעורים wie Neh ö13). Leiderist sie zugleich die am wenigsten wahrscheinliche. Zu לחורים (Z. 4) verweist D. (n. 36) auf Jes 199. Dort wird חורי vom Targum und den alten Erklären! als Netz aufgefaßt (ח1ר Loch), wodurch vermutlich D. zu der Annahme verleitet wurde, daß hier von der Netze webenden Spinne die Rede sei. 1 Allerdings sind wir an D.s Punktation nicht gebunden, wir können ebenso gut כעורים lesen. Und wenn wir nur noch מכשול in חכשול verbessern, so׳ hat der ,,unverständliche Vers“ den leidlich klaren Sinn: ,,Wie strauchelt seine Seele gleich Blinden?“ Nach Sprache undMetrum ist sogar diese Lösung glücklicher als die oben empfohlenen Rettungsversuche. Dennoch scheint sie mir unhaltbar; denn sie steht mit der Bewunderung, die dem Können der Seidenraupe hier gezollt wird, in schroffstem Widerspruch nnd in noch schlimmerem Gegensatz zur Wirklichkeit.

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