Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Aus Böhmen
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 420 (sequence 5)
- Language
- German
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420 vor dem Schwercle beschützet hat: Der in das Meer Weege macht, und in das starcke gewässer einen Steig: Der wolle seegnen, hehütten, beschützen, Helfen, Vergrössern, und in die Höche erheben, unseren aller Gnädigsten Hoch Reichs-Graf fl. •־Excel lenz und Herrn Herrn Sigismund Grafen von und zu Haimhausen, titulo plenissimo. — Herr Aller Herren, erhalte durch deine allergütigste barmherzigkeit Ihro Hoch Reichs Gräffl. Exc., behütte höchst dieselben von allen Uebel, Traurigkeit, und gefahren, damit seine Feinde Ihme zu Füssen fallen, Lasse Höchst Dieselben beglückt sein in allen Weegen, und Stegen, wohin Sie sich wenden, und kehren. Herrscher aller Herrschenden, gieb auch seinem sanftmüthigen Herzen die Erleüchtung, damit Ihro Hoch- Reichs Gräffl.-Excellenz, wie bieshero also auf ewig uns arme unter dero allergnädigsten Schutze stehende Israeliten, unter dem schatten Seiner flügeln mildiglich beschirmen, und mit Höchst dero Gnaden, und Barmherzigkeit uns atlstüts erquicken wolle. Amen. Die Grafen sind auch in die Haskara aufgenommen. Ans einer gräflichen Stiftung wird zum Teil das Gehalt des Rabbiners bestritten, wofür am Todestage des Grafen Cajetan vom Rabbiner ein Seelengedächtnis-Gebet zu verrichten ist. In’der Synagoge steht auch heute noch ein Diwan für die gräfliche Familie, wenn sie der Predigt des Rabbiners beiwohnen will. Der gräfliche Stiftsbrief, ein bemerkenswertes Zeugnis religiöser Toleranz, ist vor Jahren in der ,,Oest. Wochenschrift“ abgedruckt worden. Für Graf Cajetan und seine Familie wird folgender Mischeberach verrichtet: Ewiger allmächtiger Gottl Dessen Macht und Herrschaft sich erstrecket über Alles im Himmel und auf Erden, der Du Deine Vorsehung walten lassest und mit väterlicher Liebe niederschauest auf Deine Kinder die Menschen, zu vergelten dem Guten nach seinen guten Werken, blicke mit Wohlgefallen auf die Wohltäter unserer Gemeinde, die edlen und grossmüthigen Beförderer jeder Verbesserung und Verschönerung an Synagoge und Schule den Herr nGrafen Cajetan von Berchem Heimhausen, den hochherzigen Gründer des Cajetani-Stipendiums, dessen edle Gemahlin Wilhelmine, die Gründerin unserer Mädchenschule, und den Herrn Grafen Johann Ernst, den edlen Sprossen .des edlen Stammes. Segne und erhalte, schütze und schirme sie Allgütiger, daß jede Sorge, jeder Kummer und jedes unheil fern bleibe von Ihnen und Ihrem Hause; verleihe Ihnen langes Leben und Gesundheit, Wohlergehen und Kraft, daß Sie noch lange wirken können zum Wohle Ihrer Mitmenschen. Amen. — Wrir verpflichten unsere Nachkommen für ewige Zeiten, durch einen an dem jedesmaligen Geburtstage des H. Grafen und der Frau Gräfin, so wie auch, wrenn Gott Sie einst ins bessere Leben abruft, an ihrem Todestage abzuhaltenden feierlichen Gottesdienst mit Gebet und Predigt das Andenken an diese Wohlthäter in der Gemeinde stets wach und rege zu erhalten. In seinem herrlichen Park hat Graf Cajetan seiner Judengemeinde einen Friedhof anlegen und mit einer Mauer einfassen lassen, die eine künstliche Ruine darstellt. Eine idyllischere Lage kann, man sich nicht vorstellen. Unter den Grabsteinen, von denen die ältesten aus dem Anfänge des 18. Jahrhunderts stammen1, entdeckte ich den des Rabbiners Josef Krotoschin2. Die Grabschrift lautet: 1 Verzierungen auf den Grabsteinen selten, auf einem aus dem Jahre 1858 ein Löwe und ein gefällter Baum. 2 Ueber ihn, seinen Vater und Großvater vgl. Lewin, Geschichte der Juden in Lissa S. 180. Daß hier Lissa in Böhmen gemeint ist: Wachstein, Inschriften I 56-3; vgl. ebd. S. 54, Note 1. :1׳ I I I 1 p ן 1